Hörakustiker ist ein Handwerk mit Meisterpflicht
Hörakustiker ist ein Handwerk mit Meisterpflicht. Ein Betrieb darf nur geführt werden, wenn ein Meister oder eine Person mit gleichwertiger Ausbildung die fachliche Leitung hat. Deshalb braucht ein Fachgeschäft für Hörgeräte einen Meister, ein Onlineshop für Kopfhörer aber nicht.
Die Meisterpflicht ist keine Formsache. Ein Meister muss in den Gehörgang schauen und das Gesehene bewerten können. Er misst das Gehör und entscheidet, ob ein Hörgerät hilft. Er versorgt Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Hörgeräten, Implantaten, Tinnitusgeräten und Gehörschutz, auch mit Anpassung über das Internet.
Die Ausbildung dauert drei Jahre und läuft im Betrieb und in der Berufsschule. Die Berufsschule für dieses Handwerk sitzt für ganz Deutschland in Lübeck, an der Akademie für Hörakustik. Dort werden die Auszubildenden am Ende auch freigesprochen. Am 4. Juli 2026 waren es nach Angaben der Bundesinnung 531, im Februar 2026 weitere 143.
In der Ausbildung lernen Hörakustiker diese Aufgaben:
- das Gehör messen und bewerten
- in den Gehörgang schauen und das Gesehene bewerten
- zu Hörgeräten und Zubehör beraten und dabei Ihre Erwartungen an das Hören einbeziehen
- Abdrücke oder dreidimensionale Abbilder des Ohrs nehmen
- Ohrstücke und Gehörschutz nach Maß herstellen
- Hörgeräte nach Ihrer Hörkurve einstellen
- Kunden betreuen und beim Hören üben lassen
- Geräte warten, reparieren und mit der Kasse abrechnen
Was der HNO-Arzt macht und der Hörakustiker nicht darf
Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ist Arzt mit geschützter Bezeichnung. Nach dem Studium bildet er sich 60 Monate weiter, also fünf Jahre. Er erkennt und behandelt Krankheiten des Ohrs und Störungen des Hörens. In seiner Weiterbildung macht er unter anderem 200 Hörprüfungen und 20 Versorgungen mit Hörgeräten.
Für Kinder gibt es einen zweiten Facharzt, den für kindliche Hör-, Sprach- und Stimmstörungen. Auch seine Weiterbildung dauert 60 Monate. Hörgeräte für Kinder und Jugendliche dürfen nur diese beiden Fachärzte verschreiben.
Ein Hörgerät von der Kasse braucht beide Berufe. Die Aufgaben sind so verteilt:
| Aufgabe | HNO-Arzt | Hörakustiker |
|---|---|---|
| Ursache des Hörverlusts klären, Diagnose stellen | ja | nein |
| Hörgerät verschreiben | ja | nein |
| Hörtests für das Rezept | ja, selbst gemessen | nein, nicht für das Rezept |
| Eigene Messung für die Anpassung | ja | ja |
| Blick in den Gehörgang | ja, als Untersuchung | ja, ohne Diagnose |
| Ohrstück und Gehörschutz herstellen | nein | ja |
| Hörgerät anpassen und einstellen | nein | ja |
| Ergebnis prüfen und bestätigen | ja | nein, er liefert die Messwerte |
| Medikamente verschreiben, operieren | ja | nein |
Am Ende zeigt sich die Arbeitsteilung besonders deutlich. Nach der Anpassung prüft der Arzt die Messwerte des Hörakustikers und misst selbst nach, ob Sie mit dem Gerät besser verstehen. Zwei Messungen, zwei Berufe, ein Ergebnis.
Vom ersten Ausbildungstag zum eigenen Hörakustik-Betrieb
In der Zwischenprüfung geht es um Abbilder des Ohrs und um das Messen des Gehörs. In der Gesellenprüfung kommen das Anpassen von Hörgeräten, die Beratung, der Service und Wirtschaftskunde dazu.
Ausbildung, 3 Jahre
Im Betrieb und an der Akademie für Hörakustik in Lübeck.
Zwischenprüfung
Geprüft werden Abbilder des Ohrs und das Messen des Gehörs.
Gesellenprüfung
Fünf Prüfungsteile vom Anpassen eines Hörgeräts bis zur Wirtschaftskunde. Danach folgt die Freisprechung in Lübeck.
Berufsjahre als Geselle
Anpassung, Nachsorge und Ohrstücke im Betrieb, meist unter der Leitung eines Meisters.
Meisterprüfung in vier Teilen
Praxis, Fachtheorie, ein kaufmännischer Teil und ein Teil zur Ausbildung von Lehrlingen.
Eigener Betrieb
Mit dem Meister darf man einen Betrieb führen und ausbilden. Für Kassenpatienten braucht der Betrieb zusätzlich einen Nachweis seiner Eignung.
Die Bundesinnung der Hörakustiker meldete im April 2026, dass 176 Hörakustiker ihren Meisterbrief bekommen haben. Die Bundesinnung ist eine öffentliche Körperschaft mit Sitz in Mainz. Sie vertritt die Interessen ihrer Mitgliedsbetriebe und überwacht die Ausbildung.
So prüfen Sie einen Hörakustiker vor dem Termin
Für Kassenpatienten reicht der Meisterbrief allein nicht. Hörgeräte auf Rezept darf nur ein Betrieb abgeben, der einen Vertrag mit Ihrer Kasse hat. Den Vertrag bekommt nur, wer einer unabhängigen Prüfstelle nachgewiesen hat, dass er Hörgeräte fachgerecht herstellen, abgeben und anpassen kann. Dieser Nachweis gilt höchstens fünf Jahre und wird entzogen, wenn der Betrieb die Bedingungen nicht mehr erfüllt.
Daraus folgen drei Fragen, die jeder Betrieb beantworten kann. Hat er einen Vertrag mit Ihrer Kasse? Ist sein Nachweis gültig? Und wer passt Ihre Geräte an? Ihre Kasse muss Ihnen sagen, welche Betriebe einen Vertrag mit ihr haben.
- Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach den Betrieben mit Vertrag in Ihrer Nähe.
- Fragen Sie im Fachgeschäft nach dem Nachweis der Eignung und wann er ausläuft.
- Klären Sie, wer Ihre Geräte anpasst: Meister, Gesellin oder ein Auszubildender unter Aufsicht.
- Lassen Sie sich die Geräte ohne Aufpreis zeigen und notieren Sie ihre Namen.
- Vergleichen Sie zwei Betriebe, wenn Sie einen Aufpreis zahlen sollen. Der Festbetrag ist überall gleich, der Aufpreis nicht.
- Prüfen Sie nach der Anpassung, ob Sie die Messwerte aller getesteten Geräte bekommen haben.
Kam der Hörverlust plötzlich, nur auf einem Ohr oder mit Schmerzen, Schwindel oder Ausfluss?
Gehen Sie zum HNO-Arzt und nicht zum Hörakustiker. Solche Beschwerden brauchen eine Diagnose, bei einem plötzlichen Hörverlust innerhalb von ein bis zwei Tagen.
Haben Sie schon ein Rezept vom HNO-Arzt?
Gehen Sie damit zu einem Hörakustiker Ihrer Wahl, der einen Vertrag mit Ihrer Kasse hat. Das Rezept gilt 28 Tage.
Wollen Sie erst wissen, ob Sie überhaupt schlechter hören?
Ein kostenloser Hörtest beim Hörakustiker gibt einen ersten Eindruck. Für ein Hörgerät von der Kasse brauchen Sie danach trotzdem den HNO-Arzt.
Machen Sie einen Termin beim HNO-Arzt. Er klärt die Ursache und stellt das Rezept aus, wenn die Werte erreicht sind.
Wie ein solcher kostenloser Hörtest abläuft und was er zeigt, steht im eigenen Ratgeber.
Wie viele Hörakustiker es in Deutschland gibt
Die Bundesinnung der Hörakustiker betreibt mit hoerakustiker-suche.de eine eigene Suche nach Betrieben. Dort nennt sie über 14.500 Hörakustiker in rund 6.300 Betrieben. Eine amtliche Statistik, die das bestätigt, gibt es nicht, es sind Angaben des Verbands. Jedes Jahr kommen mehrere hundert Gesellen und über hundert Meister dazu.
Wie viele Menschen diese Betriebe versorgen, lässt sich nur schätzen. Eine Umfrage der Hörgerätehersteller von 2025 mit 13.445 Befragten kommt auf 10,9 Prozent der Bevölkerung, die selbst einen Hörverlust angeben. 47 Prozent von ihnen tragen ein Hörgerät, 2018 waren es noch 36,9 Prozent. Weil die Hersteller die Umfrage bezahlt haben, ist sie keine amtliche Zahl.
Eine amtliche Zahl gibt es dagegen zu Schwerbehinderungen. Das Statistische Bundesamt zählte Ende 2023 rund 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen, 9,3 Prozent der Bevölkerung. Bei 4 Prozent von ihnen lag eine Schwerhörigkeit, eine Gleichgewichtsstörung oder eine Sprachstörung vor. Eine eigene Zahl nur für Hörbehinderungen weist die Statistik nicht aus.
Warum Innung und Meisterbetrieb kein Qualitätssiegel sind
Viele Betriebe werben mit der Mitgliedschaft in der Innung der Hörakustiker. Die Innung erfüllt öffentliche Aufgaben, vor allem in der Ausbildung. Die Mitgliedschaft belegt aber keine geprüfte Qualität bei der Anpassung, sondern nur, dass der Betrieb Mitglied ist. Für Kassenpatienten zählt der Nachweis der Eignung bei einer unabhängigen Prüfstelle.
Ähnlich ist es mit dem Wort Meisterbetrieb. Es heißt, dass ein Meister den Betrieb fachlich leitet. Es heißt nicht, dass er Ihre Geräte selbst anpasst. Fragen Sie einfach, wer misst, und bitten Sie bei einer schwierigen Anpassung darum, dass der Meister die Werte prüft. Wie sich große Ketten und kleine Fachgeschäfte unterscheiden, erklärt der Ratgeber Kette oder Fachgeschäft.
Für Ihre Entscheidung zählen am Ende drei Dinge, die Sie prüfen können. Im Angebot steht ein Gerät ohne Aufpreis, mehrere Geräte werden mit Messwerten verglichen, und die Nachsorge bleibt sechs Jahre lang erreichbar. Alle drei stehen Ihnen zu, egal welche Schilder an der Tür hängen.
Häufige Fragen
Was macht ein Hörakustiker?
Ein Hörakustiker misst Ihr Gehör, berät zu Hörgeräten, fertigt Ohrstücke und Gehörschutz nach Maß und stellt Hörgeräte nach Ihrer Hörkurve ein. Danach betreut er Sie weiter und repariert die Geräte. Eine Diagnose stellt er nicht, das macht der HNO-Arzt.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Hörakustiker?
Die Ausbildung zum Hörakustiker dauert drei Jahre. Sie läuft im Betrieb und an der Akademie für Hörakustik in Lübeck, wo die Berufsschule für ganz Deutschland sitzt. Am Ende steht die Gesellenprüfung mit fünf Prüfungsteilen.
Braucht ein Hörakustik-Betrieb einen Meister?
Ja, ein Hörakustik-Betrieb braucht einen Meister, denn Hörakustiker ist ein Handwerk mit Meisterpflicht. Der Meister muss den Betrieb fachlich leiten. Anpassen darf aber auch eine Gesellin, und Auszubildende arbeiten unter Aufsicht.
Worin unterscheiden sich Hörakustiker und HNO-Arzt?
Der HNO-Arzt ist Facharzt mit fünf Jahren Weiterbildung. Er klärt die Ursache Ihres Hörverlusts, verschreibt das Hörgerät und prüft am Ende das Ergebnis. Der Hörakustiker ist Handwerker mit drei Jahren Ausbildung, er misst, fertigt Ohrstücke und passt die Geräte an.
Woran erkenne ich einen guten Hörakustiker?
Einen guten Hörakustiker erkennen Sie an drei Dingen. Er hat einen Vertrag mit Ihrer Kasse, er bietet Ihnen mindestens ein Hörgerät ohne Aufpreis an, und er gibt Ihnen die Messwerte aller getesteten Geräte. Welche Betriebe einen Vertrag haben, sagt Ihnen Ihre Kasse.
Wie viele Hörakustiker gibt es in Deutschland?
In Deutschland gibt es nach Angaben der Bundesinnung der Hörakustiker über 14.500 Hörakustiker in rund 6.300 Betrieben. Eine amtliche Statistik dazu wird nicht veröffentlicht. Allein 2026 kamen 531 neue Gesellen im Sommer und 176 neue Meister dazu.
