36 Firmen beschäftigen mehr als die Hälfte aller Fachkräfte
Die Hörakustik in Deutschland besteht aus vielen kleinen und wenigen sehr großen Firmen. Das Statistische Bundesamt zählte für das Jahr 2024 genau 1.439 Firmen im Hörakustiker-Handwerk. Zusammen hatten sie 21.572 Beschäftigte und 2,72 Milliarden Euro Umsatz. 36 dieser Firmen haben 50 oder mehr Beschäftigte. In ihnen arbeiten 11.931 Menschen, das sind 55 Prozent. Sie machen 60 Prozent des Umsatzes.
Die 36 größten Firmen haben 55,3 Prozent aller Beschäftigten. Die 655 kleinsten Firmen mit weniger als 5 Beschäftigten kommen zusammen auf 7,8 Prozent. Die Tabelle zeigt alle Größen.
| Beschäftigte je Firma | Firmen | Beschäftigte | Anteil an allen Beschäftigten | Umsatz 2024 |
|---|---|---|---|---|
| unter 5 | 655 | 1.677 | 7,8 Prozent | 210,2 Millionen Euro |
| 5 bis 9 | 459 | 2.972 | 13,8 Prozent | 336,7 Millionen Euro |
| 10 bis 19 | 219 | 2.865 | 13,3 Prozent | 310,6 Millionen Euro |
| 20 bis 49 | 70 | 2.127 | 9,9 Prozent | 219,4 Millionen Euro |
| 50 und mehr | 36 | 11.931 | 55,3 Prozent | 1.644,4 Millionen Euro |
| zusammen | 1.439 | 21.572 | 100 Prozent | 2.721,3 Millionen Euro |
Die Zahl der Firmen ist nicht die Zahl der Geschäfte. Eine Kette mit Hunderten Filialen zählt in der Statistik als eine Firma. Das Bundeskartellamt nennt deshalb eine ganz andere Größe: mehr als 7.000 Geschäfte mit Hörakustik. Dazu zählen auch Optikerketten mit Hörakustik in einem Teil ihrer Filialen und einige HNO-Praxen. Die Bundesinnung der Hörakustiker nennt auf ihrer Suche rund 6.300 Betriebe. Alle drei Zahlen stimmen, sie zählen nur Verschiedenes.
Hinter zwei der drei größten Ketten stehen Hörgerätehersteller
Zwei der drei größten Hörakustik-Ketten in Deutschland gehören Firmen, die selbst Hörgeräte herstellen. Am 19. November 2025 hat das Bundeskartellamt erlaubt, dass die dänische Demant-Gruppe die Kind-Gruppe übernimmt. Kind hatte rund 600 Filialen, Demant rund 350 unter Namen wie Audika oder Ritter. So entsteht nach den Worten des Kartellamts die größte Hörakustik-Kette in Deutschland, mit rund 1.000 Filialen. Demant stellt zugleich selbst Hörgeräte her.
Daneben nennt das Kartellamt zwei große Anbieter mit jeweils mehreren Hundert Geschäften. Das sind Geers, das zur Sonova-Gruppe gehört, und Amplifon, Teil eines italienischen Konzerns. Sonova stellt ebenfalls Hörgeräte her. Dazu kommen viele regionale Ketten und unabhängige Fachgeschäfte.
Das zählt für Sie aus einem einfachen Grund. Ein Geschäft, das einem Hersteller gehört, hat ein Interesse daran, Geräte dieses Herstellers zu verkaufen. Das Kartellamt sah darin kein Problem für den Wettbewerb, weil Kunden weiter Geräte anderer Hersteller bekommen. Ob Ihr Geschäft Ihnen diese Auswahl auch zeigt, erfahren Sie aber nur, wenn Sie fragen.
Für Verträge mit den Kassen gelten für beide dieselben Regeln
Kette und Inhaberbetrieb arbeiten für Menschen mit gesetzlicher Krankenkasse nach denselben Regeln und zum selben Preis. Jeder Betrieb kann den Verträgen der Kassen zu gleichen Bedingungen beitreten. Vorher muss er nachweisen, dass er die Anforderungen der Kassen erfüllt. Das gilt seit Juni 2025 ausdrücklich für jede einzelne Filiale. Daraus folgt ein gemeinsamer Mindeststandard.
- Jede Filiale und jeder Einzelbetrieb braucht einen eigenen Nachweis, gültig für höchstens fünf Jahre.
- Jedes Geschäft braucht die volle Ausstattung, vom ruhigen Anpassraum bis zur Werkbank für Ohrstücke.
- Die fachliche Leitung muss während der Öffnungszeiten da oder erreichbar sein.
- Wer ein Geschäft fachlich leiten und dort anwesend sein muss, darf nicht zugleich andere Geschäfte leiten, außer die Behörde erlaubt es.
- Jeder Betrieb muss Geräte ohne Aufpreis anbieten und die Beratung schriftlich festhalten.
- Die Kasse zahlt beiden denselben Preis. Die Unterschiede liegen nur beim Aufpreis für teurere Geräte.
Woran Sie einen guten Betrieb allgemein erkennen, etwa Meister und Innung, erklärt der Ratgeber was ein Hörakustiker ist. Für den Vergleich der Betriebsformen zählt etwas anderes. Es geht darum, was nach der Anpassung passiert: wenn Sie umziehen, wenn Ihr Ansprechpartner fehlt oder wenn das Geschäft schließt.
Die Unterschiede zeigen sich bei Umzug und Schließung
Den deutlichsten Unterschied spüren Sie, wenn sich in den sechs Jahren der Nachsorge etwas ändert. Nach den Verträgen der Kassen versorgt Sie grundsätzlich das Geschäft, bei dem Sie das Gerät bekommen haben. Schließt eine Filiale, kann die Firma Sie nach dem Vertrag der AOK in einer anderen Filiale weiter betreuen. Ein Inhaberbetrieb ohne weitere Filiale kann das nicht. Er zahlt der Kasse dann den ungenutzten Teil der Reparaturpauschale zurück, und Sie wählen einen neuen Betrieb.
| Punkt | Filialkette | Inhaberbetrieb |
|---|---|---|
| Zahlung der Kasse | Preis aus dem Vertrag mit der Kasse | derselbe Preis |
| Nachweis für die Kassen | für jede Filiale einzeln | für den Betrieb und jedes weitere Geschäft |
| Nachsorge nach einem Umzug | in einer Filiale am neuen Ort, wenn die Firma dort vertreten ist | Wechsel zu einem anderen Betrieb nötig |
| Schließung des Geschäfts | Betreuung in einer anderen Filiale möglich | Kasse bekommt den ungenutzten Teil zurück, Sie wählen neu |
| Verkauf des Geschäfts | der Käufer übernimmt alle Pflichten | der Käufer übernimmt alle Pflichten, etwa bei einer Nachfolge |
| Bindung an Hersteller | manche Ketten gehören einem Hersteller | kein Konzern, aber ebenfalls eigene Wahl beim Einkauf |
Kleine Betriebe haben einen anderen Vorteil: weniger Menschen, also weniger wechselnde Ansprechpartner. Die 655 kleinsten Firmen haben im Schnitt nicht einmal drei Beschäftigte. Die Kehrseite ist die Vertretung bei Urlaub oder Krankheit. Ob sie geregelt ist, sagt Ihnen der Betrieb, wenn Sie fragen. Was bei einem Wechsel mit Ihrer Nachsorge passiert, erklärt der Ratgeber zum Wechsel des Hörakustikers.
Brauchen Sie die Nachsorge in den nächsten sechs Jahren wohl an mehr als einem Ort, etwa wegen Umzug, Pendeln oder Zweitwohnung?
Eine Firma mit Filialen an beiden Orten erspart Ihnen den Wechsel. Fragen Sie, ob Nachsorge und Reparaturen in jeder Filiale gehen und ob Ihre Messdaten dort vorliegen.
Ist Ihnen wichtig, über Jahre von derselben Person betreut zu werden?
Fragen Sie in beiden Betriebsformen, wer Sie betreut und wer vertritt. In kleinen Betrieben ist der Kreis kleiner, dafür hängt mehr an einzelnen Personen.
Entscheiden Sie nach dem Weg, dem Angebot ohne Aufpreis und einem schriftlichen Vergleich mehrerer Geräte. Diese drei Punkte gelten für Kette und Fachgeschäft gleich.
Mit diesen 6 Fragen vergleichen Sie Kette und Fachgeschäft
Sechs Fragen trennen die Betriebsformen, und jede klären Sie in einem Telefonat oder beim ersten Termin. Stellen Sie sie in beiden Geschäften, die in Frage kommen, und notieren Sie die Antworten.
- Fragen Sie, zu welcher Firma das Geschäft gehört und ob ein Hörgerätehersteller dahintersteht.
- Fragen Sie, von welchen Herstellern die Geräte ohne Aufpreis sind, und testen Sie möglichst Geräte zweier Hersteller.
- Fragen Sie in einer Filiale, ob Nachsorge und Reparaturen auch in anderen Filialen gehen und ob Ihre Messdaten dort abrufbar sind.
- Fragen Sie im Inhaberbetrieb, wer Sie bei Urlaub oder Krankheit betreut und wie Reparaturen in dieser Zeit laufen.
- Fragen Sie in beiden, wer das Geschäft fachlich leitet und ob diese Person während der Öffnungszeiten erreichbar ist.
- Klären Sie, was mit Ihrer Nachsorge geschieht, wenn das Geschäft schließt oder verkauft wird.
Den Preis vergleichen Sie am besten schriftlich. Der Anteil der Kasse ist überall gleich, der Aufpreis für ein teureres Gerät nicht. Lassen Sie sich von beiden Geschäften für eine vergleichbare Geräteklasse einen Kostenvoranschlag geben. Ihren eigenen Anteil rechnen Sie mit dem Zuzahlungsrechner nach. Eine Statistik, die Aufpreise nach Betriebsform vergleicht, gibt es nicht. Ihr eigener Vergleich ist deshalb der einzige verlässliche.
Häufige Fragen
Ist eine Hörakustiker-Kette teurer als ein Fachgeschäft?
Beim Anteil der Kasse sind Kette und Fachgeschäft gleich teuer, denn beide arbeiten nach denselben Verträgen und bekommen denselben Preis. Unterschiede gibt es nur beim Aufpreis für teurere Geräte. Eine Statistik, die diese Aufpreise nach Betriebsform vergleicht, gibt es nicht. Vergleichen Sie deshalb zwei schriftliche Kostenvoranschläge.
Wie viele Hörakustik-Betriebe gibt es in Deutschland?
Das Statistische Bundesamt zählte für 2024 genau 1.439 Firmen im Hörakustiker-Handwerk mit 21.572 Beschäftigten. Eine Kette zählt dabei als eine Firma, egal wie viele Filialen sie hat. Das Bundeskartellamt nennt mehr als 7.000 Geschäfte mit Hörakustik, auch bei Optikerketten. Die Bundesinnung der Hörakustiker nennt rund 6.300 Betriebe.
Gehören Hörakustiker-Ketten zu Hörgeräteherstellern?
Zwei der drei größten Hörakustik-Ketten in Deutschland gehören Hörgeräteherstellern. Nach dem Bundeskartellamt übernimmt der Hersteller Demant die Kind-Gruppe und hat dann rund 1.000 Filialen, darunter Audika und Ritter. Geers gehört zum Hersteller Sonova. Amplifon ist Teil eines italienischen Konzerns, der keine Hörgeräte herstellt.
Kann ich bei einer Kette die Nachsorge in jeder Filiale machen lassen?
Ob eine Kette die Nachsorge in jeder Filiale übernimmt, regelt die Firma selbst. Nach den Verträgen der Kassen betreut Sie grundsätzlich das Geschäft, in dem Sie das Gerät bekommen haben. Jede Filiale braucht dafür einen eigenen Nachweis. Fragen Sie vor dem Kauf, ob Reparaturen und neue Einstellungen auch in anderen Filialen gehen.
Was passiert mit der Nachsorge, wenn ein Fachgeschäft schließt?
Schließt ein Fachgeschäft ohne weitere Filiale, zahlt es der Kasse den ungenutzten Teil der Reparaturpauschale zurück. Sie wählen dann einen neuen Betrieb mit Vertrag bei Ihrer Kasse, der die Nachsorge übernimmt. Wird das Geschäft an einen Nachfolger verkauft, übernimmt dieser alle Pflichten, und für Sie ändert sich nichts.
