Zwei Schwellen entscheiden, was am Arbeitsplatz gilt
Die Regeln zum Lärm am Arbeitsplatz kennen zwei Schwellen. Die untere liegt bei 80 Dezibel, die obere bei 85 Dezibel. Gemeint ist der Lärm im Mittel über einen Arbeitstag von acht Stunden. Kurze, laute Phasen zählen also mit. Für einzelne Knalle gelten eigene, höhere Grenzen. Wichtig ist ein Zusatz: Gemessen wird der Lärm, der ohne Gehörschutz am Ohr ankäme.
Aus den Schwellen folgen Pflichten in zwei Stufen. Ab 80 Dezibel muss der Arbeitgeber Ihnen passenden Gehörschutz geben. Ab 85 Dezibel muss er dafür sorgen, dass Sie ihn auch tragen. Die Unfallversicherung fasst es so zusammen: ab 80 Dezibel bereitstellen, ab 85 Dezibel tragen, mit Kontrolle durch den Arbeitgeber.
Für eine Gruppe gilt die strengere Regel früher. Wer schon einen anerkannten Hörschaden durch Lärm hat, muss Gehörschutz bereits ab 80 Dezibel tragen. 5 Dezibel klingen wenig. Sie bedeuten aber gut das Dreifache an Schallenergie.
Zum Schutz gehört auch die Vorsorge beim Betriebsarzt. Ab 80 Dezibel muss der Arbeitgeber sie anbieten, ab 85 Dezibel ist sie Pflicht. Dazu gehören regelmäßige Hörtests. So fällt ein Lärmschaden auf, solange er noch klein ist.
Vier Arten von Gehörschutz im Vergleich
Es gibt vier Arten von Gehörschutz: Kapseln über den Ohren, Kapseln am Helm, Stöpsel und Gehörschutz nach Maß. Bei den Stöpseln gibt es Schaumstoffstöpsel, die Sie vor dem Einsetzen rollen, fertig geformte Stöpsel mit Lamellen und Stöpsel an einem Bügel. Welche Art passt, hängt vom Lärm ab, von der Tragedauer und von der Arbeit.
Jeder Gehörschutz hat einen Dämmwert auf der Verpackung. Dieser Wert stammt aber aus dem Labor. Im Alltag sitzt der Schutz nie so perfekt. Deshalb zieht die Unfallversicherung je nach Art einen Abschlag ab. Er unterscheidet die Arten stärker als der Wert auf der Packung.
Am wenigsten verliert Gehörschutz nach Maß mit 3 Dezibel. Schaumstoffstöpsel verlieren 9 Dezibel, die anderen Arten 5 Dezibel.
| Art | Abschlag im Alltag | Passt zu | Was Sie beachten |
|---|---|---|---|
| Schaumstoffstöpsel zum Rollen | 9 Dezibel | gelegentlichem Einsatz, Besuchern | wirkt nur richtig gerollt und tief eingesetzt |
| fertig geformte Stöpsel | 5 Dezibel | regelmäßigem Einsatz, wiederverwendbar | reinigen und auf Risse prüfen |
| Stöpsel am Bügel | 5 Dezibel | häufigem Auf- und Absetzen, kurzem Lärm | der Druck lässt mit der Zeit nach |
| Kapseln | 5 Dezibel | wechselnden Arbeiten | Polster altern, Brillenbügel mindern den Schutz |
| Gehörschutz nach Maß | 3 Dezibel | täglichem Tragen | Kontrolle vor der ersten Nutzung, dann höchstens alle drei Jahre |
| Stöpsel und Kapsel zusammen | je nach Stöpsel | sehr lautem Lärm | die Werte lassen sich nicht einfach addieren |
Was Gehörschutz nach Maß vom Hörakustiker leistet
Gehörschutz nach Maß ist ein Stöpsel, der genau in Ihr Ohr passt. Der Hörakustiker nimmt dafür einen Abdruck oder scannt Ihren Gehörgang. Das gehört zu seiner Ausbildung. In das fertige Stück setzt er einen Filter. Der Filter bestimmt, wie stark und bei welchen Tönen gedämmt wird.
Der Vorteil zeigt sich im Abschlag: 3 Dezibel statt 9 bei Schaumstoff. Der Grund ist der Sitz. Ein Schaumstoffstöpsel schützt nur, wenn er gerollt, tief eingesetzt und gehalten wird, bis er aufquillt. Im Alltag klappt das selten. Ein Stück nach Maß sitzt bei jedem Einsetzen gleich. Dazu kommt: Filter können alle Töne gleichmäßig dämpfen. So bleiben Sprache und Musik verständlich.
Dafür gibt es eine Pflicht, die andere Arten nicht kennen. Gehörschutz nach Maß muss vor der ersten Nutzung geprüft werden und danach spätestens alle drei Jahre. Dabei wird gemessen, ob er noch richtig dämmt. Der Gehörgang verändert sich, und Filter setzen sich zu.
- Der Hörakustiker schaut ins Ohr und nimmt einen Abdruck.
- Er wählt den Filter nach dem gemessenen Lärm an Ihrem Arbeitsplatz.
- Vor der ersten Nutzung prüft er, ob der Schutz an Ihrem Ohr wirkt.
- Mindestens alle drei Jahre wird erneut geprüft, dazwischen bei Beschwerden.
- Sie reinigen das Stück nach Anleitung und lassen verstopfte Filter tauschen.
- Sitzt es nicht mehr dicht, etwa nach starker Gewichtsänderung, wird es neu angefertigt.
Wer zahlt, hängt vom Anlass ab. Gehörschutz für die Arbeit stellt der Arbeitgeber, und zwar auf seine Kosten. Für private Zwecke, etwa Musik, Motorrad oder Schlaf, zahlen Sie selbst. Die Krankenkasse zahlt Gehörschutz nicht. Wie Musiker sich schützen, erklärt der Ratgeber zum Gehörschutz für Musiker.
Lärmschwerhörigkeit gehört zu den häufigsten Berufskrankheiten
Lärmschwerhörigkeit ist als Berufskrankheit anerkannt und gehört zu den häufigsten. Die Unfallversicherung hat 2022 genau 6.637 Fälle anerkannt, 2023 waren es 7.609 und 2024 dann 8.897. Anerkannt heißt nicht automatisch Rente. Es heißt, dass die Unfallversicherung den Zusammenhang zwischen Arbeit und Hörschaden festgestellt hat.
Das Merkblatt zu dieser Berufskrankheit erklärt, wie der Schaden entsteht. Lärm von 85 Dezibel und mehr schädigt das Gehör über die Jahre. Die feinen Sinneszellen im Innenohr erholen sich nach Lärm, wenn die Pause lang genug ist. Reicht sie nicht, sterben Zellen ab. Sie wachsen nicht nach. Ein Hörschaden durch Lärm ist deshalb nicht heilbar.
Eine gute Nachricht steht auch darin. Endet der Lärm, wird der Schaden durch ihn nicht weiter schlimmer. Wer den Arbeitsplatz wechselt oder in Rente geht, verliert durch den alten Lärm nicht weiter Gehör. Das normale Schlechterhören im Alter kommt aber dazu. Wie die Anerkennung abläuft, erklärt der Ratgeber zur Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit.
Achten Sie auf diese Warnzeichen.
- Sie verstehen in Gesellschaft schlechter als früher, obwohl Sie einzelne Stimmen gut hören. Lärm schädigt zuerst die hohen Töne, und darin liegen viele Laute der Sprache.
- Nach der Schicht summt oder pfeift es im Ohr, und alles klingt gedämpft. Geht das über Nacht nicht mehr ganz weg, ist es ein Warnzeichen.
- Andere beschweren sich, dass Ihr Fernseher zu laut ist, bevor Sie selbst etwas merken.
- Im Hörtest zeigt sich eine Senke bei hohen Tönen um 4.000 Hertz, die typisch für Lärm ist.
- Sie arbeiten oder arbeiteten im Lärm, ohne dass Ihnen jemand eine Vorsorge beim Betriebsarzt angeboten hat.
So wählen Sie den richtigen Gehörschutz
Die Auswahl beginnt mit einer Zahl, die Sie nicht selbst messen können: dem Lärm an Ihrem Arbeitsplatz. Der Arbeitgeber muss ihn ermitteln. Ohne diesen Wert ist jede Auswahl geraten. Erst er zeigt, wie viel Schutz nötig ist, damit am Ohr 70 bis 80 Dezibel ankommen.
Lärm erfragen
Fragen Sie den Arbeitgeber oder die Fachkraft für Arbeitssicherheit nach dem gemessenen Lärm an Ihrem Platz.
Art wählen
Kapseln für wechselnde Arbeiten, Gehörschutz nach Maß für tägliches Tragen, Stöpsel für kurze Phasen.
Schutz rechnen
Der Wert auf der Packung minus Abschlag für den Alltag, mit dem Ziel 70 bis 80 Dezibel am Ohr. Das rechnet die Fachkraft oder der Betriebsarzt.
Anpassen lassen
Gehörschutz nach Maß fertigt der Hörakustiker und prüft ihn vor der ersten Nutzung an Ihrem Ohr.
Einsetzen lernen
Richtig eingesetzt schützt der Gehörschutz erst wirklich, besonders bei Schaumstoff. Der Arbeitgeber muss Sie dazu anleiten.
Prüfen und erneuern
Gehörschutz nach Maß mindestens alle drei Jahre prüfen lassen, Polster und Filter nach Anleitung tauschen, Vorsorgetermine wahrnehmen.
In der Freizeit gibt es keine Schwellen, aber dieselbe Gefahr für das Ohr. Konzerte, Motorsägen, Schießen und Schlagzeug erreichen Lautstärken, bei denen am Arbeitsplatz längst Gehörschutz Pflicht wäre. Ein sehr lauter Knall kann das Gehör sogar auf einen Schlag schädigen, während Dauerlärm Jahre braucht.
Tragen Sie Gehörschutz regelmäßig, also an den meisten Arbeitstagen oder bei jeder Probe?
Müssen Sie dabei Sprache, Signale oder Musik weiter verstehen?
Gehörschutz nach Maß mit passendem Filter ist die richtige Wahl. Er dämmt gleichmäßiger und verliert im Alltag nur 3 Dezibel. Lassen Sie ihn vor der ersten Nutzung prüfen.
Gehörschutz nach Maß oder Kapseln, je nach Arbeitsplatz. Beide sitzen zuverlässiger als Stöpsel zum Wegwerfen, die bei täglichem Gebrauch oft falsch sitzen.
Ist der Lärm sehr laut, oder gibt es Knalle, etwa beim Schießen oder Hämmern auf Metall?
Nehmen Sie Kapseln oder Stöpsel und Kapseln zusammen, und lassen Sie den Schutz für die Knalle berechnen. Schaumstoffstöpsel allein reichen hier nicht sicher.
Für seltene Einsätze genügen Schaumstoff- oder Lamellenstöpsel. Lassen Sie sich das Einsetzen einmal zeigen, denn falsch eingesetzt verlieren sie den größten Teil ihres Schutzes.
Was Hörakustiker mit Gehörschutz zu tun haben
Gehörschutz gehört zum Beruf des Hörakustikers. Die Ausbildung umfasst ausdrücklich das Anfertigen von Ohrstücken und Gehörschutz nach Maß. Wer Gehörschutz nach Maß braucht, findet im Fachgeschäft also die Werkstatt, in der er entsteht.
Der Unterschied zum Hörgerät liegt bei der Bezahlung. Ein Hörgerät zahlt die Krankenkasse, wenn der Arzt es verschreibt. Gehörschutz für die Arbeit zahlt der Arbeitgeber, oft über einen festen Vertrag mit einem Betrieb. Die Rechnung geht dann nicht an Sie. Privaten Gehörschutz zahlen Sie selbst. Fragen Sie deshalb vor dem Abdruck, wer die Rechnung bekommt.
Häufige Fragen
Ab welcher Lautstärke ist Gehörschutz am Arbeitsplatz Pflicht?
Ab 80 Dezibel im Mittel des Arbeitstags muss der Arbeitgeber Gehörschutz bereitstellen. Ab 85 Dezibel müssen Beschäftigte ihn tragen, und der Arbeitgeber muss das kontrollieren. Für einzelne laute Knalle gelten eigene Grenzen. Gemessen wird dabei der Lärm, der ohne Gehörschutz am Ohr ankäme.
Welcher Gehörschutz schützt am zuverlässigsten?
Im Alltag schützt Gehörschutz nach Maß vom Hörakustiker am zuverlässigsten. Die Unfallversicherung rechnet bei ihm mit einem Abschlag von nur 3 Dezibel, bei Kapseln und fertigen Stöpseln mit 5 Dezibel, bei Schaumstoffstöpseln mit 9 Dezibel. Der Grund ist der Sitz: Ein Stück nach Maß sitzt bei jedem Einsetzen gleich.
Wie oft muss Gehörschutz nach Maß geprüft werden?
Gehörschutz nach Maß muss vor der ersten Nutzung geprüft werden und danach spätestens alle drei Jahre. Das verlangt die Unfallversicherung. Bei der Prüfung wird gemessen, ob er an Ihrem Ohr noch richtig dämmt. Der Gehörgang verändert sich, und Filter können sich zusetzen.
Zahlt die Krankenkasse Gehörschutz?
Nein, die Krankenkasse zahlt keinen Gehörschutz. Gehörschutz für die Arbeit muss der Arbeitgeber stellen und bezahlen. Gehörschutz für private Zwecke wie Musik, Motorrad oder Schlaf zahlen Sie selbst. Fragen Sie vor dem Termin beim Hörakustiker, wer die Rechnung bekommt.
Ist Lärmschwerhörigkeit heilbar?
Nein, Lärmschwerhörigkeit ist nicht heilbar. Bei zu viel Lärm sterben Sinneszellen im Innenohr ab, und sie wachsen nicht nach. Endet der Lärm, wird der Schaden durch ihn aber nicht weiter schlimmer. Ausgleichen lässt sich der Verlust nur mit Hörgeräten.
Wie viele Fälle von Lärmschwerhörigkeit werden anerkannt?
Die Unfallversicherung hat 2024 genau 8.897 Fälle von Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit anerkannt. 2023 waren es 7.609, 2022 genau 6.637. Damit gehört sie zu den häufigsten anerkannten Berufskrankheiten in Deutschland. Anerkannt heißt, dass der Zusammenhang zwischen Arbeit und Hörschaden feststeht.
