Pädakustiker ist eine Zusatzausbildung, kein eigener Beruf
Ein Pädakustiker ist ein Hörakustiker, der sich zusätzlich für Hörgeräte bei Kindern weitergebildet hat. Einen eigenen Beruf oder eine eigene Meisterprüfung mit diesem Namen gibt es nicht. Die Grundlagen für Kinder gehören aber seit 2022 zu jeder Meisterprüfung, etwa Hörtests bei Kindern und die Beratung der Eltern.
Die Weiterbildung bieten Bildungsträger der Branche an, etwa am Campus Hörakustik in Lübeck. Wichtig wird sie durch die Verträge der Krankenkassen. Seit Juni 2023 gilt der Vertrag der Betriebskrankenkassen mit der Bundesinnung der Hörakustiker. Danach soll Kinder bis zum zehnten Geburtstag nur ein Meister versorgen. Oder ein Hörakustiker mit mindestens drei Jahren Erfahrung und der Zusatzausbildung. Die Techniker Krankenkasse beschreibt das ähnlich.
Ein Pädakustiker leistet bei Kindern deutlich mehr als bei Erwachsenen. Der Kindervertrag der Betriebskrankenkassen zählt auf:
- Kind und Eltern lernen die Bedienung von Hörgerät und Zubehör, bis beide sicher damit umgehen.
- Er berät auch die Eltern, nicht nur das Kind.
- Er arbeitet mit Ärzten, Kliniken für kindliches Hören, Kindergärten, Schulen und Frühförderstellen zusammen.
- Er stellt die Geräte immer wieder nach, je nach Sprachentwicklung und bei Veränderungen wie dem Schulbeginn.
- Er prüft regelmäßig, ob die Geräte richtig funktionieren.
- Er misst mit Tests, die zum Alter passen, vom Beobachten beim Spielen bis zu Sprachtests für Kinder.
Der Weg zum Hörgerät beginnt meist mit dem Hörtest nach der Geburt
Jedes Neugeborene hat Anspruch auf einen Hörtest, der Hörstörungen auf beiden Ohren ab 35 Dezibel finden soll. Die Fristen sind eng. Eine solche Hörstörung soll bis zum Ende des dritten Lebensmonats erkannt sein, und die Behandlung soll bis zum Ende des sechsten Monats beginnen. Der Grund ist die Sprache, denn ein Baby lernt sie in den ersten Monaten über das Hören.
Das Hörgerät verschreibt ein Arzt, nicht der Hörakustiker. Bei Kindern und Jugendlichen dürfen das nur HNO-Ärzte oder Fachärzte für kindliche Hör-, Sprach- und Stimmstörungen. Sie müssen die Tests für das Alter selbst machen und den Erfolg prüfen können. Säuglinge und Kleinkinder sollen in einer Klinik oder Praxis versorgt werden, die auf das Hören von Kindern spezialisiert ist.
Hörtest nach der Geburt
Ein kurzer Test an jedem Ohr, möglichst bis zum dritten Lebenstag, spätestens bei der zweiten Vorsorgeuntersuchung.
Kontrolle bei auffälligem Ergebnis
Eine zweite Messung an beiden Ohren, möglichst am selben Tag.
Genaue Untersuchung
Ein Facharzt für kindliches Hören bestätigt oder widerlegt den Befund, bis zur 12. Lebenswoche.
Rezept
Der Facharzt stellt das Rezept aus. Bei Kindern ist es auch für jedes neue Gerät nötig.
Anpassung beim Pädakustiker
Der Pädakustiker wählt die Geräte aus und stellt sie mit Tests für das Alter ein, bei Babys zusammen mit der Klinik.
Tragen und Kontrollen
Das Kind trägt die Geräte, die Behandlung beginnt bis zum Ende des sechsten Lebensmonats, danach folgen regelmäßige Kontrollen.
Bei Hörgeräten für Kinder gelten 7 andere Regeln
Hörgeräte für Kinder folgen in sieben Punkten anderen Regeln als die von Erwachsenen, vom Rezept bis zur Bauform. Erwachsene bekommen nach 6 Jahren neue Geräte, Kinder nach 5 Jahren. Erwachsene brauchen für ein Gerät einen Hörverlust ab 30 Dezibel, Kinder im begründeten Fall auch bei weniger.
| Punkt | Erwachsene | Kinder und Jugendliche unter 18 |
|---|---|---|
| Rezept | beim ersten Gerät nötig, später nur in bestimmten Fällen | immer nötig, nur vom HNO-Arzt oder Facharzt für kindliches Hören |
| Hörtests | mit Tönen und mit einsilbigen Wörtern | je nach Alter Messungen ohne Mitarbeit, Tests beim Spielen und Sprachtests für Kinder |
| Geringer Hörverlust | erst ab 30 Dezibel auf dem besseren Ohr | im begründeten Einzelfall auch darunter |
| Technik | Anschluss für Zubehör nur bei Bedarf | meist mit Anschluss, etwa für eine Funkanlage in der Schule |
| Bauform | hinter dem Ohr, im Ohr oder mit Hörer im Gehörgang | Hinter-dem-Ohr-Geräte bevorzugt, Im-Ohr-Geräte bis 14 Jahre in der Regel nicht |
| Neue Geräte ohne besonderen Grund | nach 6 Jahren | nach 5 Jahren |
| Zuzahlung, Batterien, Reparaturen | Zuzahlung je Gerät, Batterien zahlen Sie selbst | keine Zuzahlung, Batterien und Reparaturen zahlt die Kasse |
Ein Beispiel für die Kosten nennt die Techniker Krankenkasse. Sie zahlt für ein Kind bis zu 1.000 Euro für das erste Hörgerät und bis zu 2.000 Euro für beide Ohren. Eine Zuzahlung gibt es nicht, und Batterien, Ohrstücke und Reparaturen sind dabei. Was Hörgeräte für Erwachsene kosten, erklärt der Ratgeber was ein Hörgerät kostet.
Für die Schule gibt es eine Hilfe, die viele Eltern nicht kennen. Die Kasse zahlt eine Funkanlage, wenn das Kind sie in Kindergarten oder Schule zum Verstehen braucht, bis zum Ende der Schulzeit. Die Lehrkraft trägt dabei einen kleinen Sender, der ihre Stimme direkt ins Hörgerät schickt. Dafür braucht das Hörgerät den passenden Anschluss.
Aktuelle Empfehlungen der Fachgesellschaften zu Hörstörungen bei Kindern gibt es im Herbst 2026 nicht. Die alten von 2013 sind abgelaufen, und die neue Fassung soll bis Ende 2026 fertig sein.
So finden Sie einen Pädakustiker in Ihrer Nähe
Einen Pädakustiker finden Sie am schnellsten über drei Stellen: die Klinik oder Praxis, die Ihr Kind untersucht hat, Ihre Krankenkasse und die Suche der Bundesinnung der Hörakustiker. Die Suche auf hoerakustiker-suche.de hat einen eigenen Filter für Kinder. Ihre Kasse muss Ihnen sagen, welche Betriebe einen Vertrag mit ihr haben.
Den Betrieb wählen Sie selbst. Ärzte und Kassen dürfen Sie nicht zu einem bestimmten Hörakustiker schicken. Eine Empfehlung aus medizinischen Gründen ist aber erlaubt. Bei einem Baby kennt die Klinik die Betriebe, mit denen sie zusammenarbeitet.
Bei den Betriebskrankenkassen gibt es eine weitere Spur. Betriebe, die Kinder unter 10 Jahren versorgen wollen, bestätigen die Bedingungen schriftlich, und die Bundesinnung meldet sie an die Kassen. Ihre BKK kann Ihnen also sagen, welche Betriebe in Ihrer Gegend das getan haben. So gehen Sie vor:
- Lassen Sie sich vom Facharzt das Rezept und die Befunde geben.
- Fragen Sie in der Klinik oder Praxis, mit welchen Hörakustikern sie bei Kindern zusammenarbeitet.
- Lassen Sie sich von Ihrer Krankenkasse die Betriebe mit Vertrag für Kinder in Ihrer Gegend nennen.
- Nutzen Sie auf hoerakustiker-suche.de den Filter für Kinder mit Ihrer Postleitzahl.
- Rufen Sie zwei Betriebe an und fragen Sie, wer Ihr Kind versorgt, welche Zusatzausbildung diese Person hat und wie der Raum für Kinder ausgestattet ist.
- Planen Sie für den ersten Termin genug Zeit ein, denn Tests bei kleinen Kindern brauchen Pausen und manchmal einen zweiten Anlauf.
10 Dinge, die ein Pädakustiker für Kinder unter 10 braucht
Ein Fachgeschäft, das Kinder unter 10 Jahren für die Betriebskrankenkassen versorgt, muss zehn Bedingungen an Raum und Technik erfüllen. Die Liste ist auch für Familien anderer Kassen ein guter Maßstab, weil sie zeigt, was eine Anpassung für Kinder braucht. Fragen Sie beim ersten Anruf danach:
- ein Anpassraum von mindestens 8 Quadratmetern
- Sicherheitsvorkehrungen für Kinder im Raum
- ein Messgerät mit 3 bis 8 Lautsprechern, das Sprachtests abspielen kann
- ein Gerät, das die Verstärkung im Gehörgang misst, mit einem Anschluss für Kinder
- eine Messung, die die kleinen Maße des kindlichen Gehörgangs berücksichtigt
- ein Gerät, das prüft, wie beweglich das Trommelfell ist
- ein Test, bei dem das Kind sagt oder zeigt, wie laut ein Ton wirkt
- Spielzeug und Töne für Hörtests beim Spielen
- ein Sprachtest für Kinder mit Bildern
- ein Spieltisch oder eine Spielecke
Warum so viel Technik? Der Gehörgang eines Kindes ist kleiner als der eines Erwachsenen, deshalb kommt bei gleicher Einstellung mehr Schall am Trommelfell an. Eine Einstellung nach Werten für Erwachsene kann für ein Kind zu laut sein. Die besondere Messung erfasst genau diesen Unterschied. Der Test beim Spielen ersetzt die Mitarbeit, die ein kleines Kind bei einem normalen Hörtest noch nicht leisten kann.
Wie oft ein Kind mit Hörgerät zur Kontrolle muss
Ein Kind unter drei Jahren soll im ersten Jahr nach dem ersten Hörgerät alle drei Monate zur Kontrolle. Kinder bis sechs Jahre kommen in der Regel mindestens zweimal im Jahr, ältere Kinder mindestens einmal im Jahr. Dazu sollen die Geräte je nach Bedarf alle zwei bis sechs Monate gewartet werden. So steht es im Kindervertrag der Betriebskrankenkassen.
Der Grund ist das Wachstum. Das Ohr wächst, und ein Ohrstück, das im Frühjahr dicht saß, pfeift im Herbst. Gleichzeitig entwickelt sich die Sprache, und die Einstellung muss mitwachsen. Die Kosten dafür sind bei den Betriebskrankenkassen mit einer jährlichen Pauschale bezahlt. Neue Ohrstücke, neue Einstellungen und Batterien zahlen Sie nicht selbst.
Neue Geräte bekommt ein Kind ohne besonderen Grund nach fünf Jahren. Früher geht es mit Begründung, etwa wenn das Kind schlechter hört. Bei den Betriebskrankenkassen braucht es dafür ein neues Rezept und vorher die Zustimmung der Kasse. Wie ein Hörakustiker auch zu Ihnen nach Hause kommen kann, erklärt der Ratgeber zum Hausbesuch beim Hörakustiker.
Häufige Fragen
Was ist ein Pädakustiker?
Ein Pädakustiker ist ein Hörakustiker mit einer Zusatzausbildung für Hörgeräte bei Kindern. Einen eigenen Beruf mit diesem Namen gibt es nicht. Die Betriebskrankenkassen verlangen für Kinder unter 10 Jahren einen Meister oder einen Hörakustiker mit drei Jahren Erfahrung und dieser Zusatzausbildung.
Wie finde ich einen Pädakustiker in meiner Nähe?
Einen Pädakustiker in Ihrer Nähe nennen Ihnen die Klinik, die Ihr Kind untersucht hat, und Ihre Krankenkasse. Die Suche der Bundesinnung auf hoerakustiker-suche.de hat einen Filter für Kinder. Fragen Sie beim Anruf, wer Ihr Kind versorgt und welche Zusatzausbildung diese Person hat.
Wer darf Hörgeräte für Kinder verschreiben?
Hörgeräte für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen nur HNO-Ärzte oder Fachärzte für kindliche Hör-, Sprach- und Stimmstörungen verschreiben. Sie müssen die Tests für das Alter selbst machen können. Bei Kindern braucht auch jedes neue Gerät ein neues Rezept.
Was zahlen Eltern für die Hörgeräte ihres Kindes?
Für die Hörgeräte ihres Kindes zahlen Eltern mit gesetzlicher Krankenkasse in der Regel nichts. Eine Zuzahlung gibt es erst ab 18 Jahren, und Batterien und Reparaturen zahlt bei Kindern die Kasse. Einen Aufpreis zahlen Eltern nur, wenn sie ausdrücklich ein teureres Gerät wählen.
Wie oft bekommt ein Kind neue Hörgeräte?
Ein Kind bekommt ohne besonderen Grund nach fünf Jahren neue Hörgeräte. Früher geht es mit Begründung, etwa wenn es schlechter hört. Dafür braucht es ein neues Rezept und bei den Betriebskrankenkassen vorher die Zustimmung der Kasse.
