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Ratgeber

Gehörschutz für Musiker, was Filter leisten und wer zahlt

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Normale Ohrstöpsel dämpfen hohe Töne stärker als tiefe, die Musik klingt dann dumpf. Filter für Musiker senken alle Töne gleichmäßig um etwa 9, 15 oder 25 Dezibel. Am besten sitzen sie in einem Ohrstück nach Maß vom Hörakustiker. Wer angestellt ist, bekommt den Gehörschutz seit 2008 vom Arbeitgeber. Wer selbstständig ist oder privat spielt, zahlt selbst.

Lärm in einem Sinfonieorchester, im Wochenmittel
85 bis 95 Dezibel
Untersuchung der Suva, in der Präventionsleitlinie der Unfallversicherung, Stand 1. September 2013
Ziel am Ohr mit Gehörschutz
80 bis 85 Dezibel über acht Stunden
Präventionsleitlinie Gehörschutz für Musiker, Stand 1. September 2013
Dämpfung üblicher Filter für Musiker
9, 15 oder 25 Dezibel, gleichmäßig
Präventionsleitlinie Gehörschutz für Musiker, Stand 1. September 2013
Eine Schlagzeugerin spielt im Proberaum mit Gehörschutz nach Maß
Bild: KI generiert.

Warum normaler Gehörschutz für Musik nicht taugt

Ein einfacher Schaumstoffstöpsel dämpft hohe Töne viel stärker als tiefe. Beim Sprechen fällt das kaum auf, bei Musik schon. Der Klang wird dumpf, hohe Instrumente und Obertöne verschwinden zuerst. Für Berufsmusiker ist das mehr als eine Frage des Komforts. Wer sich im Orchester oder in der Band nicht mehr richtig hört, kann Lautstärke und Tonhöhe nicht mehr sauber anpassen.

Genau hier helfen Filter, die für Musik gemacht sind. Sie senken alle Töne um fast denselben Betrag. Der Klang bleibt erhalten, er wird nur leiser.

Wie Filter für Musiker alle Töne gleich dämpfen

Filter mit den Namen ER-9, ER-15 und ER-25 sind seit vielen Jahren im Einsatz. Es gibt sie in Ohrstücken verschiedener Hersteller, dazu andere Filter, die ähnlich gleichmäßig dämpfen. Die Zahl im Namen nennt die ungefähre Dämpfung. ER-9 senkt die Lautstärke um etwa 9 Dezibel, ER-15 um etwa 15 und ER-25 um etwa 25 Dezibel.

Welcher Filter passt, hängt von der Musik, der Besetzung und dem eigenen Platz ab. Schlagzeuger und Bläser in einer Bigband sitzen oft näher an sehr lauten Instrumenten als eine Geigerin hinten im Orchester. Sie brauchen deshalb oft einen stärkeren Filter. Die Tabelle zeigt typische Einsätze für 9, 15 und 25 Dezibel.

Filter für Musiker im Vergleich.
FilterDämpfungTypischer Einsatz
ER-9 oder ähnlichetwa 9 DezibelStreicher, ruhigere Plätze
ER-15 oder ähnlichetwa 15 Dezibelmittlere Lautstärke, viele Plätze im Orchester
ER-25 oder ähnlichetwa 25 DezibelSchlagzeug, Blechbläser, Plätze nah an Verstärkern
Reicht ein einfacher Stöpsel oder brauchen Sie einen Filter für Musiker?

Spielen oder singen Sie regelmäßig, also bei den meisten Proben oder Auftritten?

Ja

Sitzen Sie nah an sehr lauten Instrumenten, etwa Schlagzeug, Blech oder einem Verstärker?

Ja

Ein Ohrstück nach Maß mit stärkerem Filter, etwa ER-15 oder ER-25, ist die richtige Wahl. Lassen Sie es vor der ersten Nutzung prüfen.

Nein

Ein Ohrstück nach Maß mit leichtem Filter, etwa ER-9, reicht meist und verändert den Klang kaum.

Nein

Für die gelegentliche Probe reicht ein einfacher Stöpsel, der möglichst gleichmäßig dämpft. Es gibt ihn in der Drogerie oder im Fachgeschäft.

Warum ein Ohrstück nach Maß für Musik am besten passt

Ein Ohrstück nach Maß sitzt bei jedem Einsetzen gleich, und seine Wirkung lässt sich am Ohr messen. Ein Stöpsel von der Stange sitzt dagegen oft locker. Dann verliert er viel von seiner Dämpfung, ohne dass Sie es sofort merken. Ein Ohrstück nach Maß ist außerdem schnell eingesetzt, was in kurzen Pausen zwischen zwei Stücken zählt.

Die Unfallversicherung empfiehlt Musikern deshalb Stöpsel, die gleichmäßig dämpfen, am besten als Ohrstück nach Maß. Schaumstoffstöpsel hält sie für ungeeignet. Sie sind umständlich einzusetzen und dämpfen meist zu stark und zu ungleichmäßig.

Wie laut es im Orchester wirklich ist

Ein Sinfonieorchester erreicht im Wochenmittel 85 bis 95 Dezibel. Das ergab eine Untersuchung der Schweizer Unfallversicherung Suva. Wie laut es genau wird, hängt vom Instrument, vom Platz und vom Stück ab. Ein Orchester liegt damit oft über 85 Dezibel. Ab diesem Wert ist Gehörschutz am Arbeitsplatz Pflicht.

Die Präventionsleitlinie der Unfallversicherung für Musiker setzt deshalb ein Ziel. Mit Gehörschutz sollen am Ohr 80 bis 85 Dezibel über acht Stunden ankommen. Zu viel Dämpfung schadet nämlich auch. Sie erschwert das genaue Hören, und die eigene Stimme klingt stärker wie unter Wasser. Dann nehmen viele den Schutz wieder heraus.

Wer über Jahre ohne Schutz im Lärm spielt, riskiert einen bleibenden Hörschaden. Er kann als Berufskrankheit anerkannt werden, mit denselben Regeln wie in anderen lauten Berufen. Wie das abläuft, erklärt der Ratgeber zur Lärmschwerhörigkeit als Berufskrankheit. Ein Gehörschutz, den Sie wirklich tragen, ist der einzige Schutz vor einem Schaden, der nicht mehr heilt.

Seit 2008 gelten die Lärmregeln auch für Musiker

Die Regeln zum Lärm am Arbeitsplatz gelten seit dem 9. März 2007. Für Musik und Unterhaltung gab es aber eine Übergangsfrist. Dort gelten sie erst seit dem 15. Februar 2008. Seitdem gilt für Musiker dasselbe wie in jedem anderen Beruf. Ab 80 Dezibel muss der Arbeitgeber Gehörschutz stellen, ab 85 Dezibel müssen Sie ihn tragen.

Wer angestellt in einem Orchester, einer Bigband oder einem Musiktheater spielt, bekommt den Gehörschutz deshalb vom Arbeitgeber gestellt und bezahlt. Wer freiberuflich oder privat Musik macht, zahlt selbst. Die Krankenkasse zahlt ihn nicht, weil er keine Krankheit behandelt, sondern vorbeugt.

So gewöhnen Sie sich an Gehörschutz beim Musizieren

Gehörschutz beim Musizieren ist schwerer zu tragen als in einer Werkstatt. Sie müssen Ihr Instrument, die Nachbarn und die Anweisungen der Leitung gut hören. Die Gewöhnung dauert deshalb länger. Für ältere Musiker, die schon lange spielen, nennt die Unfallversicherung etwa ein Jahr, bis das Tragen zur Gewohnheit wird.

Junge Musiker üben deshalb am besten schon in der Ausbildung mit Gehörschutz. Ein bekanntes Problem ist der Verschlusseffekt. Ist der Gehörgang zu, klingen die eigene Stimme und das eigene Instrument ungewohnt dumpf. Ohrstücke nach Maß, die tief im Gehörgang sitzen, mildern das.

  • Beginnen Sie in Proben, nicht bei Auftritten. Dort ist der Druck kleiner, solange der Klang noch ungewohnt ist.
  • Wechseln Sie in den ersten Wochen zwischen kurzen Phasen mit und ohne Gehörschutz.
  • Lassen Sie das Ohrstück bei Druck oder verändertem Klang gleich nacharbeiten, statt sich daran zu gewöhnen.
  • Sprechen Sie mit der Leitung, wenn Sie Anweisungen schlechter verstehen. Dafür gibt es Lösungen.

So wählen Sie den passenden Filter.

  1. Lassen Sie ermitteln, wie viel Lärm Sie pro Woche abbekommen, aus Proben, Auftritten und Unterricht.
  2. Wählen Sie nach Musik und Platz. Wer nah an lauten Instrumenten sitzt, braucht meist einen stärkeren Filter.
  3. Lassen Sie beim Hörakustiker einen Abdruck nehmen und das Ohrstück mit dem Filter anfertigen.
  4. Testen Sie das Ohrstück zuerst in Proben, bevor Sie es auf der Bühne tragen.
  5. Lassen Sie es regelmäßig prüfen, spätestens alle drei Jahre.

Häufige Fragen

Warum klingt Musik mit normalem Gehörschutz dumpf?

Normale Ohrstöpsel dämpfen hohe Töne stärker als tiefe. Dadurch gehen Obertöne und hohe Instrumente zuerst verloren, und die Musik klingt dumpf. Filter für Musiker senken dagegen alle Töne gleichmäßig. Der Klang bleibt erhalten und wird nur leiser.

Wie stark dämpfen Filter für Musiker?

Die bekannten Filter ER-9, ER-15 und ER-25 senken die Lautstärke um etwa 9, 15 oder 25 Dezibel, gleichmäßig über alle Töne. Welcher passt, hängt vom Instrument, vom Platz und von der Musik ab. Wer nah an Schlagzeug oder Blech sitzt, braucht meist einen stärkeren Filter.

Muss mein Arbeitgeber den Gehörschutz für Musik bezahlen?

Ja, wenn Sie als Musiker angestellt sind, muss der Arbeitgeber den Gehörschutz stellen und bezahlen, wie in jedem anderen lauten Beruf. Das gilt seit dem 15. Februar 2008. Wer freiberuflich oder privat Musik macht, zahlt den Gehörschutz selbst. Die Krankenkasse zahlt ihn nicht.

Wie lange dauert die Gewöhnung an Gehörschutz beim Musizieren?

Für ältere Musiker, die schon lange spielen, nennt die Unfallversicherung etwa ein Jahr, bis das Tragen zur Gewohnheit wird. Jüngere gewöhnen sich leichter, wenn sie schon in der Ausbildung damit üben. Beginnen Sie in Proben und steigern Sie die Tragezeit langsam.

Wie oft muss ein Ohrstück für Musiker geprüft werden?

Ein Ohrstück nach Maß wird vor der ersten Nutzung geprüft und danach spätestens alle drei Jahre. Bei der Prüfung wird gemessen, ob es an Ihrem Ohr noch richtig dämpft. Klingt die Musik plötzlich anders oder drückt das Ohrstück, lassen Sie es früher prüfen.

Quellen und Methodik

Quellen und Lizenzen

  1. Präventionsleitlinie Gehörschutz für Musiker, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), Fachbereich Persönliche Schutzausrüstungen,
  2. § 17 Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, Übergangsvorschriften, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  3. § 8 Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, Gehörschutz, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  4. § 5 Arbeitsschutzgesetz, Beurteilung der Arbeitsbedingungen, Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de,
  5. FB PSA SG Gehörschutz - FAQs, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV),
  6. Gesundes Gehör im Orchester: Schutz vor dem Fortissimo, topeins, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV),

Einsatz von Sprachmodellen

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Stand dieser Angaben: 2. Oktober 2026.