Drei Bauformen decken fast jeden Hörverlust ab
Jedes Hörgerät arbeitet nach demselben Prinzip. Ein Mikrofon nimmt den Schall auf. Ein kleiner Rechner verstärkt ihn, getrennt nach hohen und tiefen Tönen. Ein winziger Lautsprecher, der Hörer, gibt ihn im Gehörgang wieder ab. Die Bauform sagt nur, wo diese drei Teile sitzen. Welche Bauform passt, hängt nach der BARMER vom einzelnen Hörverlust ab.
Beim Hinter-dem-Ohr-Gerät sitzt die ganze Technik in einem Gehäuse hinter der Ohrmuschel. Der Schall kommt über einen Schlauch ins Ohr, entweder mit einem Ohrstück nach Maß oder mit einem dünnen Schlauch und einem weichen Schirmchen. Beim Im-Ohr-Gerät steckt die Technik in einer Schale, die nach einem Abdruck Ihres Gehörgangs gefertigt wird. Es sitzt ganz im Ohr, ähnlich wie ein Ohrstöpsel.
Die dritte Form ist eine Mischung. Das Gehäuse bleibt hinter dem Ohr, aber der Hörer sitzt am Ende eines dünnen Kabels direkt im Gehörgang. Fachleute nennen das RIC, nach dem englischen Receiver in Canal. Nach der Befragung EuroTrak Germany 2025 ist das die am häufigsten gekaufte Bauform.
| Merkmal | Hinter dem Ohr | Im Ohr | Hörer im Gehörgang (RIC) |
|---|---|---|---|
| Wo die Technik sitzt | Gehäuse hinter der Ohrmuschel, Schall über Schlauch ins Ohr | alles in einer Schale im Gehörgang oder in der Ohrmuschel | Gehäuse hinter dem Ohr, Hörer per Kabel im Gehörgang |
| Verbindung zum Ohr | Ohrstück nach Maß oder Schirmchen | die Schale selbst, nach Abdruck gefertigt | Schirmchen oder Ohrstück am Hörer |
| Richtmikrofon ohne Aufpreis | ja, Pflicht | nein, keine Pflicht | ja, zählt als Gerät hinter dem Ohr |
| Wie sichtbar | Gehäuse sichtbar, je nach Größe und Frisur | fast unsichtbar bis gut sichtbar in der Ohrmuschel | kleines Gehäuse, dünnes Kabel |
| Zahlt die Kasse | ja, bis zum Festbetrag | ja, bis zum Festbetrag | ja, bis zum Festbetrag |
| Wie verbreitet | weit verbreitet | seltener | am häufigsten gekauft |
Daneben gibt es Sonderformen, etwa Geräte, die den Schall über den Knochen leiten. Die Kasse zahlt sie nur, wenn ein gesundheitlicher Grund vorliegt, zum Beispiel ein fehlender Gehörgang.
Welche Bauform zu Ihrem Hörverlust passt
Der Hörverlust wird in Dezibel gemessen und in Stufen eingeteilt. Bis 20 Dezibel gilt das Gehör als normal. Von 20 bis 40 Dezibel ist der Hörverlust leicht, von 40 bis 60 Dezibel mittel und von 60 bis 80 Dezibel schwer. Über 80 Dezibel grenzt er an Taubheit. So teilt es der Berufsverband der HNO-Ärzte ein.
Je größer der Verlust, desto stärker muss das Gerät verstärken, ohne zu pfeifen. Neben der Verstärkung entscheiden zwei Dinge. Das erste ist der Gehörgang. Ein Im-Ohr-Gerät braucht Platz und einen Gehörgang, der nicht ständig feucht ist. Hörgeräte können Entzündungen im Gehörgang begünstigen, und ein Gerät, das ihn ganz verschließt, ist dafür anfälliger. Das zweite sind die Finger. Kleine Batterien und Knöpfe an Im-Ohr-Geräten brauchen bewegliche Finger. Ein Gerät hinter dem Ohr mit Akku und Ladeschale ist leichter zu bedienen.
Liegt Ihr Hörverlust laut HNO-Arzt über 80 Dezibel, oder brauchen Sie sehr viel Verstärkung?
Bleiben Sie bei einem Gerät hinter dem Ohr mit einem Ohrstück nach Maß. Das Ohrstück verhindert das Pfeifen bei starker Verstärkung, und die Kasse zahlt bei fast völliger Taubheit einen höheren Betrag. Verstehen Sie mit Gerät höchstens 60 Prozent der Wörter, fragen Sie nach einem Cochlea-Implantat.
Ist Ihr Gehörgang gesund, weit genug und selten feucht, und wollen Sie ein möglichst unauffälliges Gerät?
Können Sie kleine Batterien wechseln und winzige Knöpfe bedienen?
Ein Im-Ohr-Gerät ist möglich. Ein Richtmikrofon ist hier keine Pflicht. Testen Sie deshalb, wie gut Sie in lauter Umgebung verstehen, im Vergleich mit einem Gerät mit Hörer im Gehörgang.
Wählen Sie ein Gerät mit Hörer im Gehörgang und Akku. Es bleibt klein, und die Ladeschale erspart den Batteriewechsel.
Hören Sie vor allem hohe Töne schlecht, tiefe Töne aber noch gut?
Ein Gerät mit Schirmchen lässt tiefe Töne natürlich durch und verstärkt nur, was fehlt. Die Kasse zahlt für das Schirmchen 11,61 Euro netto.
Ein Gerät hinter dem Ohr mit Ohrstück nach Maß ist die robuste Wahl. Es verträgt Feuchtigkeit im Gehörgang besser als ein Im-Ohr-Gerät und lässt sich bei jeder Verstärkung sicher einstellen.
Ein Ohrstück nach Maß kostet die Kasse 45,07 Euro
Das Ohrstück bringt den Schall in den Gehörgang. Es entscheidet über Sitz, Klang und Pfeifen mehr, als viele denken. Die Kasse zahlt dafür zwei feste Beträge. Ein Ohrstück nach Maß kostet sie 45,07 Euro netto, mit Abdruck und aller Arbeit des Hörakustikers. Eine offene Lösung mit Schlauch und Schirmchen kostet sie 11,61 Euro netto. Beides ist im Gesamtpreis enthalten, eine eigene Zuzahlung gibt es dafür nicht.
Für ein Ohrstück nach Maß nimmt der Hörakustiker einen Abdruck oder scannt Ihr Ohr. Daraus entsteht ein Stück aus Kunststoff oder Silikon, das den Gehörgang abschließt. So kommt der verstärkte Schall nicht zurück zum Mikrofon, und das Gerät pfeift nicht. Bei schwerem Hörverlust ist das Ohrstück nach Maß deshalb die Regel.
Die offene Lösung verzichtet auf diesen Abschluss. Ein weiches Schirmchen hält Schlauch oder Hörer im Ohr, lässt aber Luft und tiefe Töne vorbei. Wer tiefe Töne noch gut hört, empfindet das oft als natürlicher, weil die eigene Stimme nicht dumpf klingt. Der Nachteil ist, dass ein offenes Gerät bei starker Verstärkung pfeifen kann.
- Ohrstück nach Maß: fester Sitz, starke Verstärkung ohne Pfeifen, gut zu reinigen, muss nach einigen Jahren neu angepasst werden.
- Schirmchen: schneller Start ohne Abdruck, natürlicher Klang bei Verlust der hohen Töne, muss regelmäßig erneuert werden.
- Schale des Im-Ohr-Geräts: Gehäuse und Ohrstück in einem, passt nur in einen weiten Gehörgang, empfindlich gegen Ohrenschmalz und Feuchtigkeit.
- Sonderformen für besondere Gehörgänge oder nach Operationen: Die Techniker Krankenkasse verlangt dafür einen Kostenvoranschlag.
Was ein Gerät ohne Aufpreis mindestens können muss
Ein Gerät zum Festbetrag ist kein Gerät zweiter Klasse. Die Kassen schreiben sechs Merkmale vor, die jedes Gerät mindestens haben muss. Geräte ohne diese Merkmale darf ein Hörakustiker nicht über die Kasse abgeben.
- digitale Technik
- ein Mikrofon, das von allen Seiten oder gezielt von vorn aufnimmt, Pflicht aber nur bei Geräten hinter dem Ohr
- mindestens sechs Kanäle, damit tiefe, mittlere und hohe Töne getrennt verstärkt werden
- ein Schutz gegen Pfeifen und gegen das Mitverstärken von Lärm
- mindestens drei Hörprogramme, zum Wählen oder automatisch, etwa für Ruhe, Gespräch im Lärm und Telefon
- genug Verstärkung für Ihren Grad des Hörverlusts
Alles darüber hinaus kann einen Aufpreis kosten. Dazu gehören eine Verbindung zum Handy, mehr Kanäle, eine kleinere Bauform, ein Akku oder eine App. Nach EuroTrak Germany 2025 nutzen 35 Prozent der Träger eine App zu ihrem Gerät. Eine Telefonspule für Hörschleifen in Kirchen oder Theatern hat nach Wissen der Befragten nur jedes siebte Gerät. Wo sie hilft, erklärt der Ratgeber zur Telespule und Hörschleife.
Batterien und Akku zahlen Erwachsene selbst
Strom für das Hörgerät zahlt die Kasse bei Erwachsenen nicht. Ab 18 Jahren kaufen Sie Batterien selbst, und auch Akku und Ladeschale zahlen Sie. Für Kinder und Jugendliche unter 18 zahlt die Kasse die Batterien. Ob Batterie oder Akku günstiger ist, hängt davon ab, wie lange Sie das Gerät tragen. Nach EuroTrak Germany 2025 sind es im Schnitt 8,8 Stunden am Tag.
Hörgeräte-Batterien gibt es in wenigen festen Größen, und der Hörakustiker sagt Ihnen, welche Ihr Gerät braucht. Eine Batterie arbeitet, sobald Sie den Aufkleber abziehen und Luft an sie kommt. Danach lässt sie sich nicht mehr stilllegen. Akku-Geräte laden über Nacht in einer Ladeschale. Wer die Ladeschale auf Reisen vergisst, hat am nächsten Tag kein Hörgerät. Wer Batterien nutzt, nimmt einfach eine Packung mit.
Leere Batterien gehören nicht in den Hausmüll. Jedes Geschäft, das Batterien verkauft, muss alte kostenlos zurücknehmen. Ihr Hörakustiker nimmt die leeren Batterien also zurück. Wie Sie das Gerät jeden Tag pflegen, erklärt der Ratgeber zum Reinigen von Hörgeräten.
Wann statt des Hörgeräts ein Cochlea-Implantat hilft
Reicht auch das bestens eingestellte Hörgerät nicht mehr für Gespräche, ist die nächste Stufe kein stärkeres Hörgerät. Dann kommt ein Cochlea-Implantat in Frage, kurz CI. Es wird bei einer Operation ins Innenohr gesetzt und reizt den Hörnerv direkt mit elektrischen Signalen.
Die HNO-Fachgesellschaft nennt in ihren Empfehlungen von 2020 eine klare Schwelle. Verstehen Erwachsene mit Hörgerät höchstens 60 Prozent einsilbiger Wörter bei normaler Lautstärke, kommt ein Implantat in Frage. Der Hörakustiker misst diesen Wert bei jeder Anpassung. Eine feste Altersgrenze gibt es nicht, auch nach Jahrzehnten ist ein Implantat möglich.
Vorher muss eine Fachkraft prüfen, ob das Hörgerät gut eingestellt ist. Ein schlecht eingestelltes Gerät darf nicht der Grund für eine Operation sein. Nach der Operation folgt ein Hörtraining. Bei Erwachsenen dauert es nach dem staatlichen Gesundheitsinstitut bis zu einem Jahr.
Nach EuroTrak Germany 2025 wurden nur 20 Prozent der Träger mit schwerem Hörverlust von Ärzten oder Fachleuten über ein Implantat informiert. Verstehen Sie mit Hörgerät weniger als 60 Prozent der Wörter, fragen Sie den HNO-Arzt deshalb von sich aus danach.
Hörtest auswerten
HNO-Arzt und Hörakustiker bestimmen, wie stark Sie hohe und tiefe Töne schlechter hören. Daraus folgt, wie stark das Gerät verstärken muss.
Gehörgang ansehen
Der Hörakustiker schaut in Ihr Ohr. Ein enger oder oft feuchter Gehörgang spricht gegen ein Im-Ohr-Gerät.
Zwei Bauformen testen
Sie tragen nacheinander zwei Bauformen zur Probe, mindestens eine davon ohne Aufpreis. Jede Probe dauert einige Tage bis Wochen.
Messen und vergleichen
Der Hörakustiker misst mit jedem Gerät, wie viele Wörter Sie in Ruhe und mit Lärm verstehen. Sie vergleichen das mit Ihren Notizen aus dem Alltag.
Entscheiden
Sie wählen das Gerät, der HNO-Arzt prüft das Ergebnis, die Kasse zahlt. Verstehen Sie trotz guter Einstellung höchstens 60 Prozent der Wörter, schickt der Arzt Sie in eine Klinik für Implantate.
Tinnitus-Kombigeräte sind Hörgeräte mit Rauschen
Wer schlecht hört und zusätzlich Tinnitus hat, stößt auf eine vierte Gruppe: das Tinnitus-Kombigerät. Es ist ein normales Hörgerät hinter dem Ohr, das zusätzlich ein leises Rauschen erzeugen kann. Die Kasse zahlt dafür einen eigenen Festbetrag von 707,51 Euro netto je Gerät. Bei fast völliger Taubheit sind es 781,92 Euro. Der Arzt darf das Kombigerät aber nur verschreiben, wenn das Hörgerät allein den Tinnitus nicht genug lindert.
Die Empfehlungen der Fachgesellschaft zu chronischem Tinnitus von 2021 sehen das Rauschen nüchtern. Wer Tinnitus und einen Hörverlust hat, gewinnt durch das Rauschen nichts dazu. Das Hörgerät selbst empfehlen sie dagegen. Entscheiden Sie die Bauform also nach Ihrem Hörverlust. Lassen Sie sich das Rauschen nicht als Grund für ein teureres Gerät verkaufen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einem Gerät hinter dem Ohr und einem RIC-Gerät?
Bei einem Gerät hinter dem Ohr sitzt die ganze Technik im Gehäuse hinter der Ohrmuschel, der Schall kommt über einen Schlauch ins Ohr. Beim RIC-Gerät sitzt der Hörer am Ende eines dünnen Kabels direkt im Gehörgang. Das Gehäuse ist dadurch kleiner. RIC-Geräte sind in Deutschland die am häufigsten gekaufte Bauform.
Zahlt die Krankenkasse auch ein Im-Ohr-Hörgerät?
Ja, die Krankenkasse zahlt ein Im-Ohr-Hörgerät bis zum Festbetrag, genau wie ein Gerät hinter dem Ohr. Der Betrag ist für beide Bauformen gleich. Kostet das gewünschte Im-Ohr-Gerät mehr, etwa weil es besonders klein ist, zahlen Sie den Unterschied selbst.
Was kostet ein Ohrstück nach Maß für das Hörgerät?
Für ein Ohrstück nach Maß zahlt die Krankenkasse 45,07 Euro netto je Ohr, mit Abdruck und aller Arbeit des Hörakustikers. Für eine offene Lösung mit dünnem Schlauch und Schirmchen sind es 11,61 Euro netto. Beides ist im Gesamtpreis enthalten, eine eigene Zuzahlung fällt dafür nicht an.
Ist ein Hörgerät mit Akku besser als eines mit Batterien?
Ein Hörgerät mit Akku erspart den Batteriewechsel und ist mit steifen Fingern leichter zu bedienen. Dafür hängt es an der Ladeschale, und der Akku ist fest eingebaut. Batterien können Sie überall nachkaufen. Beides zahlen Erwachsene selbst. Für Kinder und Jugendliche unter 18 zahlt die Kasse die Batterien.
Wann reicht ein Hörgerät nicht mehr aus?
Ein Hörgerät reicht nicht mehr, wenn Sie trotz guter Einstellung höchstens 60 Prozent einsilbiger Wörter verstehen. Dann kommt nach den Empfehlungen der HNO-Fachgesellschaft ein Cochlea-Implantat in Frage. Vorher prüft eine Fachkraft, ob das Hörgerät richtig eingestellt ist. Eine Altersgrenze für das Implantat gibt es nicht.
Brauche ich ein Hörgerät mit Richtmikrofon?
Ein Richtmikrofon hebt Sprache von vorn gegenüber Lärm von der Seite hervor und hilft beim Verstehen in Gesellschaft. Bei Geräten hinter dem Ohr ist es auch ohne Aufpreis Pflicht, bei Im-Ohr-Geräten nicht. Wer oft in Gruppen spricht, testet vor dem Kauf eines Im-Ohr-Geräts, wie gut er in lauter Umgebung versteht.
