Was die Telespule im Hörgerät macht
Die Telespule ist eine winzige Spule aus Kupferdraht im Hörgerät. Sie nimmt keinen Schall auf wie das Mikrofon. Stattdessen empfängt sie ein Magnetfeld, das eine Hörschleife im Raum aussendet. Fachleute sprechen von einer induktiven Höranlage. Schalten Sie Ihr Hörgerät auf das Programm T, hören Sie nur noch den Ton aus der Schleife. Das ist zum Beispiel die Stimme des Pfarrers direkt aus seinem Mikrofon, ohne Hall und ohne Geräusche im Saal.
Gerade in großen Räumen mit Hall hilft die Telespule mehr als ein gutes Richtmikrofon. Das Richtmikrofon verstärkt weiter alles vor Ihnen, auch den hustenden Nachbarn. Die Hörschleife überträgt nur den Ton, um den es geht.
- Kein Hall und keine Geräusche aus dem Saal, weil der Ton über ein Magnetfeld kommt.
- Für Sie als Besucher kostenlos, wenn Ihr Hörgerät eine Telespule hat.
- Kein Handy, keine Verbindung und keine App nötig.
- Wirkt nur innerhalb der Schleife. Verlassen Sie den Raum, ist der Ton weg.
Manche Hörgeräte haben neben dem Programm T ein Programm MT. Es nutzt Spule und Mikrofon zugleich. So hören Sie den Ton aus der Schleife und gleichzeitig Ihre Begleitung, wenn sie Ihnen etwas zuflüstert.
Wo Sie Hörschleifen in der Praxis finden
Hörschleifen gibt es vor allem in öffentlichen Gebäuden, die barrierefrei gebaut sind. Die Norm für barrierefreies Bauen, DIN 18040-1, nennt Höranlagen als Hilfe für Menschen, die schlecht hören. Sie kommen besonders in Sälen mit Lautsprecheranlage vor und an Schaltern mit Glasscheibe und Sprechanlage, etwa am Fahrkartenschalter oder im Bürgeramt.
Planen Sie einen Besuch in einem fremden Saal, rufen Sie vorher an oder schauen Sie auf die Internetseite. Viele Theater und Kinos nennen ihre Ausstattung auf einer eigenen Seite, oft unter dem Stichwort Barrierefreiheit.
| Ort | Typische Anlage | Woran Sie sie erkennen |
|---|---|---|
| Kirche | Schleife um den ganzen Raum oder um einzelne Bankreihen | Schild mit Ohr und dem Buchstaben T am Eingang |
| Theater, Oper, Konzertsaal | Schleife, oft nur in bestimmten Reihen | Hinweis im Saalplan, sonst an der Kasse fragen |
| Kino | einzelne Säle mit Schleife | Zeichen am Saal oder auf der Internetseite |
| Fahrkartenschalter | Schleife am einzelnen Schalter mit Sprechanlage | Ohr-Zeichen direkt am Schalterfenster |
| Bürgeramt, Behörde | Schleife am Tresen hinter Glas | Zeichen am Tresen, sonst beim Personal fragen |
| Vortragssaal, Hörsaal | Schleife um den ganzen Raum | Hinweis in der Raumbeschreibung oder am Rednerpult |
Nicht jedes Haus kennzeichnet seine Anlage. Ob es eine gibt, erfahren Sie am sichersten direkt beim Betreiber.
So schalten Sie Ihr Hörgerät auf die Hörschleife um
Die Schleife nützt Ihnen nichts, solange Ihr Hörgerät im normalen Programm bleibt. Die meisten Geräte mit Telespule haben ein eigenes Programm T oder das gemischte Programm MT. So gehen Sie vor.
- Suchen Sie am Eingang oder am Platz das Schild mit dem Ohr und dem Buchstaben T.
- Setzen Sie sich möglichst in den markierten Bereich. Am Rand der Schleife kann der Ton schwächer oder verzerrt sein.
- Schalten Sie das Hörgerät mit dem Knopf oder der App auf das Programm T oder MT.
- Stellen Sie die Lautstärke nach, denn die Schleife kann anders eingestellt sein als Ihr gewohntes Programm.
- Schalten Sie nach der Veranstaltung zurück, damit Sie draußen wieder Ihre Umgebung hören.
Wer eine Hörschleife einbauen muss
Eine Pflicht für jedes Gebäude gibt es nicht. Neubauten und große Umbauten des Bundes müssen nach dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen barrierefrei sein. Für Gebäude der Länder, der Städte und für private Häuser wie Theater oder Kinos gelten die Bauordnungen der Länder. Sie verweisen für öffentlich zugängliche Gebäude meist auf die Norm für barrierefreies Bauen. Das betrifft vor allem Neubauten und große Umbauten. Ein alter Bau ohne Umbau muss in der Regel nicht nachrüsten.
Bei rein privaten Häusern ohne solche Pflicht ist eine Hörschleife freiwillig. Fragen Sie trotzdem nach. Oft wissen Betreiber gar nicht, dass Besucher sie brauchen.
Ist es ein Neubau oder ein großer Umbau des Bundes, etwa eine Bundesbehörde?
Das Gebäude muss barrierefrei sein. Bei Sälen mit Lautsprecheranlage oder Schaltern hinter Glas gehört eine Höranlage in der Regel dazu.
Ist es ein Neubau oder großer Umbau eines öffentlich zugänglichen Gebäudes, mit Lautsprecheranlage oder Schalter hinter Glas?
Die Bauordnung des Landes verweist dann meist auf die Norm für barrierefreies Bauen. Eine Höranlage gehört in der Regel zur Ausstattung.
Ein alter Bau ohne Umbau muss nicht automatisch nachrüsten. Fragen Sie den Betreiber, ob es eine Anlage gibt oder ob Sie ein Empfangsgerät leihen können.
Was Sie tun, wenn die Hörschleife schlecht funktioniert
Auch eine vorhandene Anlage liefert nicht immer guten Ton. Leuchtstoffröhren, Trafos und andere Elektrogeräte in der Nähe können brummen. Am Rand der Schleife wird das Signal schwächer und kann verzerren, in der Mitte kommt es klar an. Auch Ihr eigenes Handy kann manchmal stören. Legen Sie es testweise weiter weg, bevor Sie einen Defekt vermuten.
Fällt die Anlage aus, fragen Sie nach einer anderen Lösung. Manche Häuser verleihen Empfänger mit Kopfhörern, die ohne die Schleife funktionieren. Setzen Sie sich außerdem möglichst nah an die Bühne oder den Redner. Dann hat auch das Mikrofon Ihres Hörgeräts bessere Bedingungen.
Eine Telespule lässt sich nicht nachrüsten
Die Telespule ist ein Bauteil, das der Hersteller einbaut. Ein Update kann sie nicht nachliefern. Nicht jedes Modell hat eine. Sagen Sie deshalb bei der Anpassung, dass Sie eine Telespule möchten. Sonst wählt der Hörakustiker vielleicht ein Gerät ohne sie.
Sehr kleine Im-Ohr-Geräte haben oft keinen Platz für die Spule. Wollen Sie eine Telespule sicher nutzen, sprechen Sie das schon bei der Wahl der Bauform an. Welche Bauformen es gibt, erklärt der Ratgeber Hörgerät hinter dem Ohr oder im Ohr.
Neben der Telespule gibt es Bluetooth für Handy und Fernseher und die neue Technik Auracast. Wie sie sich zur Telespule verhalten, erklärt der Ratgeber zum Verbinden mit Handy und Fernseher.
Häufige Fragen
Was bringt mir eine Telespule im Hörgerät?
Eine Telespule empfängt den Ton einer Hörschleife direkt, ohne Hall und Lärm im Raum. In Kirchen, Theatern oder an Schaltern verstehen Sie so klarer als über das Mikrofon. Sie brauchen dafür kein Handy und keine App. Sie sitzen nur in der Schleife und schalten das Hörgerät auf das Programm T.
Hat jedes Hörgerät eine Telespule?
Nein, nach der Befragung EuroTrak Germany 2025 haben nur 15 Prozent der Träger nach eigener Angabe ein Gerät mit Telespule. Die Spule ist ein Bauteil, das sich nicht nachrüsten lässt. Wenn Sie sie nutzen möchten, sagen Sie das dem Hörakustiker gleich bei der Anpassung.
Wo finde ich eine Hörschleife?
Hörschleifen gibt es oft in Kirchen, Theatern, Kinos, Vortragssälen und an Schaltern hinter Glas, etwa am Fahrkartenschalter oder im Bürgeramt. Sie erkennen sie an einem Schild mit einem Ohr und dem Buchstaben T. Im Zweifel fragen Sie das Personal oder schauen auf die Internetseite des Hauses.
Muss jedes öffentliche Gebäude eine Hörschleife haben?
Nein, eine Pflicht für jedes Gebäude gibt es nicht. Neubauten und große Umbauten des Bundes müssen barrierefrei sein. Bei anderen öffentlichen Gebäuden gilt die Bauordnung des Landes, vor allem bei Neubauten und großen Umbauten. Ein alter Bau ohne Umbau muss in der Regel nicht nachrüsten.
Kostet das Hören über die Hörschleife extra?
Nein, das Hören über die Hörschleife kostet Sie als Besucher nichts, wenn Ihr Hörgerät eine Telespule hat. Bau und Wartung der Anlage zahlt der Betreiber des Gebäudes. Ob Ihr Hörgerät eine Telespule hat, sagt Ihnen Ihr Hörakustiker.
