So verbinden Sie Ihr Hörgerät zum ersten Mal mit dem Handy
Ein Hörgerät mit Bluetooth verbinden Sie einmal mit dem Handy. Danach verbindet es sich bei jedem Einschalten von selbst. Bei Apple heißt das Verfahren Made for iPhone, kurz MFi. Sie öffnen die Einstellungen, tippen auf Bedienungshilfen und dann auf Hörgeräte. Ihr Hörgerät muss dabei eingeschaltet und in der Nähe sein.
Bei Android-Handys heißt der Weg ASHA. Google hat ihn zusammen mit Hörgeräteherstellern entwickelt. Er braucht wenig Strom und funktioniert ab Android 10 aus dem Jahr 2019. Ob Ihr Handy ihn kann, sehen Sie in den Bluetooth-Einstellungen unter dem Punkt Hörgeräte. Fehlt der Punkt, hilft nur ein neueres Handy oder ein Zwischenstecker, den manche Hersteller anbieten.
So gehen Sie beim ersten Verbinden vor.
- Öffnen und schließen Sie kurz das Batteriefach. Bei einem Akku-Gerät halten Sie den Knopf gedrückt. So wartet das Hörgerät auf eine Verbindung.
- Öffnen Sie am Handy die Bluetooth-Einstellungen. Beim iPhone gehen Sie über Bedienungshilfen zu Hörgeräte.
- Tippen Sie auf den Namen Ihres Hörgeräts und bestätigen Sie die Anfrage auf dem Bildschirm.
- Warten Sie auf einen Ton oder eine Ansage im Hörgerät. Das dauert meist weniger als eine Minute.
- Prüfen Sie in der App des Herstellers, ob Anrufe und Musik im Hörgerät ankommen.
Klappt das Verbinden nicht, liegt es meist an einem alten Stand der Handy-Software. Oder das Hörgerät ist noch mit einem anderen Handy verbunden. Viele Hörgeräte halten nur eine Verbindung gleichzeitig. Trennen Sie es dann zuerst am alten Handy.
Was beim Telefonieren und Musikhören passiert
Beim Telefonieren läuft der Ton in beide Richtungen. Die Stimme des Anrufers kommt direkt in beide Hörgeräte. Ihre eigene Stimme nimmt das Mikrofon des Handys oder des Hörgeräts auf. Bei Musik, Hörbüchern oder Ansagen des Navis läuft der Ton nur vom Handy zum Hörgerät, meist auf beiden Ohren. Der Vorteil gegenüber einem Kopfhörer: Das Hörgerät verstärkt den Ton so, wie es für Ihr Gehör eingestellt ist.
Die Übertragung braucht mehr Strom als das normale Hören. Eine Batterie hält dann spürbar kürzer, und ein Akku muss früher an die Ladeschale. Hersteller geben deshalb oft zwei Laufzeiten an, eine für den Alltag und eine für dauerndes Musikhören. Wer viel telefoniert oder Hörbücher hört, nimmt eine Ersatzbatterie mit oder lädt zwischendurch nach.
Nicht jedes Hörgerät überträgt gleich gut auf beide Ohren. Manche Geräte schicken den Ton zuerst an ein Ohr und von dort zum zweiten. Bei Musik fällt das kaum auf. Bei einem Videoanruf kann der Ton aber einen Augenblick nach den Lippen kommen. Fragen Sie beim Hörakustiker danach, wenn Ihnen das wichtig ist.
Für den Fernseher brauchen Sie meist ein Zusatzgerät
Die direkte Verbindung ist für Handys gebaut, nicht für Fernseher. Fernseher senden ihren Ton meist über eine ältere Art von Bluetooth. Viele Hörgeräte können diese nicht direkt empfangen, weil sie Strom sparen müssen. Deshalb brauchen Sie meist ein kleines Zusatzgerät, einen TV-Sender. Er hängt per Kabel am Fernseher und funkt den Ton so weiter, dass Ihr Hörgerät ihn versteht.
Den TV-Sender verbinden Sie einmal mit dem Hörgerät, wie ein Handy. Danach sendet er von selbst, sobald der Fernseher läuft. Der Vorteil: Alle anderen im Raum hören den Fernseher wie gewohnt über seine Lautsprecher. Sie bekommen den Ton zusätzlich direkt ins Ohr, in Ihrer eigenen Lautstärke.
| Gerät | Weg ins Hörgerät | Zusatzgerät nötig |
|---|---|---|
| iPhone | Bluetooth über Made for iPhone | nein |
| Android-Handy ab Android 10 | Bluetooth über ASHA, wenn Handy und Hörgerät es können | nein |
| älteres Android-Handy | Bluetooth über einen Zwischenstecker | ja, ein kleiner Sender zum Anstecken |
| Fernseher, Stereoanlage | Bluetooth über einen Sender am Gerät | ja, ein TV-Sender |
| Hörschleife in Kirche oder Theater | über die Telespule im Hörgerät | nein, wenn das Hörgerät eine Telespule hat |
| Auracast-Sender (im Aufbau) | neues Bluetooth für viele Hörer gleichzeitig | nein, wenn das Hörgerät es kann |
Ein TV-Sender gehört nicht zur Grundausstattung, die die Kasse bezahlt. Fragen Sie beim Hörakustiker, welcher Sender zu Ihrem Hörgerät passt. Die Sender der Hersteller sind meist nicht untereinander austauschbar.
Bluetooth zahlt die Krankenkasse nicht mit
Die Krankenkasse zahlt Bluetooth nicht mit. Es gehört nicht zu den sechs Merkmalen, die jedes Gerät zum Festbetrag haben muss. Bluetooth, eine App und ein kleineres Gehäuse gelten als Komfort. Dafür verlangen Hörakustiker meist einen Aufpreis.
Wollen Sie ein Gerät mit Bluetooth, das mehr kostet als der Festbetrag, muss der Hörakustiker Sie vorher beraten. Er muss Ihnen auch ein Gerät ohne Aufpreis anbieten und die Beratung schriftlich festhalten. Sie unterschreiben eine Erklärung zu den Mehrkosten. Darin steht, was die Kasse zahlt und was Sie selbst zahlen. Ein Gerät ohne Bluetooth verstärkt genauso gut, die Funktechnik ändert daran nichts.
Telefonieren Sie mehrmals in der Woche mit dem Handy oder schauen Sie täglich fern?
Möchten Sie Lautstärke und Programme per App steuern, oder reicht Ihnen der Knopf am Gerät?
Ein Hörgerät mit Bluetooth und App erspart Ihnen im Alltag viele kleine Handgriffe. Prüfen Sie den TV-Sender als eigenen Posten im Kostenvoranschlag.
Für das Telefon reicht oft auch ein Gerät ohne Aufpreis. Fragen Sie nach der Telespule, die beim Telefonieren und in Räumen mit Hörschleife hilft.
Ein Gerät zum Festbetrag ohne Bluetooth reicht in der Regel. Ändert sich Ihr Bedarf, sprechen Sie mit dem Hörakustiker, bevor Sie ein neues Gerät kaufen.
Auracast soll die Hörschleife in öffentlichen Räumen ergänzen
Auracast ist eine neue Art von Bluetooth. Ein Sender, etwa ein Fernseher oder eine Anlage im Kino, strahlt seinen Ton für beliebig viele Zuhörer gleichzeitig aus. Jeder in der Nähe mit passendem Hörgerät oder Kopfhörer kann sich einwählen, ähnlich wie bei einem Radiosender. Der Verband hinter Bluetooth, die Bluetooth SIG, hat Auracast mit Hörgeräteherstellern entwickelt. Er sieht darin einen Nachfolger der heutigen Hörschleifen.
Eine Hörschleife braucht ein Kabel im Boden oder an der Wand und deckt oft nur einen Teil des Raums ab. Auracast sendet digital und braucht nur einen Sender, ohne Umbau. Für Sie heißt das aber noch nicht viel. Ihr Hörgerät empfängt Auracast nur, wenn der Hersteller die neue Funktechnik eingebaut hat. Und in Deutschland gibt es bisher wenige Orte, die so senden.
Die Telespule bleibt deshalb vorerst der häufigere Weg in Hörschleifen. Was sie kann und wo Sie sie nutzen, erklärt der Ratgeber zur Telespule und Hörschleife.
Darauf achten Sie beim Kauf eines Hörgeräts mit Bluetooth
Nicht jedes Hörgerät verbindet sich mit jedem Handy gleich gut. Manche Geräte können nur Made for iPhone, andere nur ASHA für Android, wieder andere beides. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob das Hörgerät zu Ihrem jetzigen Handy passt. Nicht nur zu einem, das Sie vielleicht später kaufen.
- Bringen Sie Ihr Handy zur Anpassung mit und lassen Sie das Verbinden direkt beim Hörakustiker testen.
- Fragen Sie, ob das Gerät Made for iPhone, ASHA oder beides kann, und ob Auracast später per Update möglich ist.
- Lassen Sie sich zeigen, wie Anruf und Geräusche der Umgebung zusammen klingen, nicht nur, dass die Verbindung steht.
- Achten Sie auf die Laufzeit bei dauerndem Musikhören, nicht nur auf die Laufzeit im Alltag.
Auch die Bauform spielt eine Rolle. Ein kleines Im-Ohr-Gerät hat weniger Platz für Antenne und Akku als ein Gerät hinter dem Ohr. Das kann Reichweite und Laufzeit verkürzen. Wie sich die Bauformen sonst unterscheiden, erklärt der Ratgeber Hörgerät hinter dem Ohr oder im Ohr.
Häufige Fragen
Kann ich mit jedem Hörgerät über Bluetooth telefonieren?
Nein, über Bluetooth telefonieren kann nur ein Hörgerät, das Made for iPhone für Apple oder ASHA für Android eingebaut hat. Einfache Geräte ohne Aufpreis haben oft keine direkte Verbindung zum Handy. Fragen Sie vor dem Kauf, ob das Hörgerät zu Ihrem Handy passt, und testen Sie es beim Hörakustiker.
Brauche ich für den Fernseher immer ein Zusatzgerät?
Für die meisten Hörgeräte brauchen Sie am Fernseher einen TV-Sender. Fernseher senden ihren Ton über eine ältere Art von Bluetooth, die viele Hörgeräte nicht direkt empfangen. Der Sender hängt am Fernseher und funkt den Ton so weiter, dass Ihr Hörgerät ihn versteht. Auracast könnte das später ändern.
Zahlt die Krankenkasse Bluetooth am Hörgerät?
Nein, die Krankenkasse zahlt Bluetooth nicht mit, weil es nicht zur Grundausstattung eines Geräts zum Festbetrag gehört. Ein Hörgerät mit Bluetooth kostet deshalb oft einen Aufpreis. Der Hörakustiker muss Sie vorher beraten, Ihnen ein Gerät ohne Aufpreis anbieten und die Mehrkosten schriftlich festhalten.
Was ist Auracast, und ersetzt es die Hörschleife schon?
Auracast ist eine neue Art von Bluetooth, mit der ein Sender seinen Ton an beliebig viele Zuhörer gleichzeitig schickt. Die Hörschleife ersetzt es noch nicht, weil Hörgerät und Ort die Technik beide brauchen. In Deutschland gibt es bisher wenige solche Orte. Die Telespule bleibt deshalb vorerst wichtig.
Funktioniert Bluetooth am Hörgerät mit jedem Handy gleich gut?
Nein, das hängt vom Hersteller und vom Handy ab. Manche Hörgeräte können nur Apple oder nur Android, andere beides. Auch Klang und Verzögerung bei Videoanrufen können je nach Kombination leicht abweichen. Testen Sie die Verbindung mit Ihrem eigenen Handy direkt beim Hörakustiker.
