Ein Hörgerät bei Tinnitus wird wie jedes andere eingestellt
Für das Einstellen eines Hörgeräts bei Tinnitus gibt es keine eigene Vorschrift. Es gelten dieselben Regeln der Kassen wie bei jedem Hörgerät. Der Hörakustiker testet sorgfältig, schreibt die Ergebnisse auf, und am Ende prüft Ihr HNO-Arzt das Ergebnis.
Welche Art der Verstärkung der Hörakustiker wählt, ist weniger wichtig als gedacht. Ein Team in Südkorea hat 2019 114 Menschen mit Hochtonverlust und Tinnitus zufällig auf drei Gruppen mit verschiedenen Geräten verteilt. In allen drei Gruppen sank die Belastung durch den Tinnitus, und zwischen den Geräten gab es keinen Unterschied. Eine Beratung gab es dabei bewusst nicht, gemessen wurde also nur die Wirkung des Geräts.
Die Belege bleiben trotzdem dünn. Eine Auswertung aller Studien von 2018 fand nur acht brauchbare Studien mit zusammen 590 Teilnehmern und nannte die Qualität der Belege niedrig. Die HNO-Fachgesellschaften empfehlen Hörgeräte bei Tinnitus mit Hörverlust dennoch, weil besseres Hören die Gewöhnung an das Ohrgeräusch erleichtert.
Drei Zahlen zeigen, worauf es ankommt. In Ruhe sollen Sie mit Hörgerät mindestens 20 Prozentpunkte mehr Wörter verstehen, mit Lärm im Hintergrund mindestens 10. Eine Studie mit 70 Menschen fand den besten Effekt, wenn die Tonhöhe des Tinnitus im verstärkten Bereich lag.
| Punkt | Warum er bei Tinnitus zählt | Beleg |
|---|---|---|
| Verstärkung im Tonbereich des Tinnitus | Geräusche aus der Umgebung überdecken das Ohrgeräusch eher, wenn es im verstärkten Bereich liegt | Studie von 2012 mit 70 Menschen |
| Art der Verstärkung | drei verschiedene Arten senkten die Belastung gleich stark | Studie von 2019 mit 114 Menschen |
| Rauschen zusätzlich zum Hörgerät | Kombigeräte waren normalen Hörgeräten nicht überlegen | Auswertung von 2018, drei Studien mit 114 Menschen |
| Tragen den ganzen Tag | die Fachärzte raten, Stille zu meiden und angenehme Geräusche zu nutzen | Empfehlungen der HNO-Fachgesellschaften |
| Beratung und Begleitung | stark belastete Menschen tragen Hörgeräte seltener | Studie von 2018 mit 133 Menschen |
| Verstehen mit Gerät | mindestens 20 Prozentpunkte mehr in Ruhe und 10 mit Lärm | Regeln der Kassen für Hörgeräte |
Das Hörgerät sollte die Tonhöhe Ihres Tinnitus erreichen
Ein Hörgerät kann das Ohrgeräusch nur überdecken, wenn es im passenden Tonbereich verstärkt. Eine Auswertung von 70 Menschen mit Tinnitus und Hörgerät zeigte 2012 diesen Zusammenhang. Die Geräte überdeckten den Tinnitus eher, wenn die Betroffenen tiefe Töne gut hörten und der Tinnitus im verstärkten Bereich lag. Wer das erreichte, war danach auch weniger belastet.
Die Tonhöhe aus der Tinnitus-Analyse ist deshalb ein Arbeitswert für die Einstellung. Meist liegt der Tinnitus dort, wo Sie am schlechtesten hören, also genau dort, wo das Hörgerät verstärken soll. Bei Tinnitus bis etwa 6.000 Hertz hilft ein Hörgerät womöglich mehr als bei sehr hohen Tönen, aber auch dort gibt es gute Ergebnisse.
Für die Kasse gilt eine feste Grenze. Sie zahlt ein Hörgerät, wenn Sie bei mindestens einer Tonhöhe zwischen 500 und 4.000 Hertz erst ab 30 Dezibel hören und höchstens 80 Prozent der Wörter verstehen. Liegt Ihr Hörverlust nur bei höheren Tönen, ist diese Grenze nicht erreicht. Die Fachärzte halten ein Hörgerät dann im Einzelfall trotzdem für sinnvoll. Wer zahlt, klären Sie vorher mit Arzt und Kasse.
Den Erfolg zeigen Sprachtest und Tinnitus-Fragebogen
Die Kassen verfolgen zwei Ziele. Ein Hörgerät soll den Hörverlust möglichst gut ausgleichen. Ein Tinnitusgerät soll erreichen, dass Sie das Ohrgeräusch nicht mehr als störend wahrnehmen. Bei einem Hörgerät für einen Menschen mit Tinnitus zählen deshalb zwei Messungen, und beide brauchen einen Wert von vor der Anpassung.
Wie viel besser Sie hören, misst ein Worttest über Lautsprecher im Raum. Bei normaler Gesprächslautstärke sollen Sie mit Hörgeräten mindestens 20 Prozentpunkte mehr Wörter verstehen, mit Lärm im Hintergrund mindestens 10. Ihr HNO-Arzt prüft das am Ende mit einer eigenen Messung.
Wie stark Sie der Tinnitus belastet, misst ein Fragebogen, etwa die deutsche Kurzform mit zwölf Fragen. Er zeigt Veränderungen durch eine Behandlung zuverlässig. Für einen englischen Fragebogen hat eine europäische Studie 2025 ermittelt, ab wann Betroffene eine Besserung überhaupt spüren. Nach zwölf Wochen lag die Grenze bei etwa 11 Punkten, bei hoher Belastung am Anfang höher.
Zwischen den Terminen hilft ein Hörtagebuch. Notieren Sie beim Probetragen jeden Tag:
- wie viele Stunden Sie das Gerät getragen haben
- wie stark Sie das Ohrgeräusch auf einer Skala von 0 bis 10 wahrgenommen haben
- in welchen Situationen es leiser oder lauter wurde
- welche Geräusche Ihnen mit dem Gerät zu laut, zu scharf oder unangenehm waren
- wie gut Sie abends eingeschlafen sind
Wie lange Sie ein Hörgerät bei Tinnitus testen
Für das Probetragen gelten zwei Regeln. Ein Hörgerät testen Sie nach den Verträgen von AOK und Betriebskrankenkassen mehrere Tage im Alltag, darunter mindestens eines ohne Aufpreis. In dieser Zeit haften Sie, wenn das Testgerät verloren geht. Ein Tinnitusgerät oder Kombigerät testen Sie mindestens vier Wochen, bevor Ihr Arzt prüft, ob es hilft.
Beim Tinnitus zeigt sich die Wirkung oft langsamer als beim Hören. Die Studie aus Südkorea hat die Belastung nach drei und nach sechs Monaten gemessen, nicht nach wenigen Tagen. Sagen Sie Ihrem Hörakustiker deshalb, dass Sie das Gerät auch wegen des Tinnitus tragen, damit er Termine zum Nachstellen einplant.
Stark belastete Menschen brauchen mehr Begleitung. Eine Auswertung aus einer amerikanischen Tinnitus-Klinik mit 133 Menschen fand 2018: Je stärker die Belastung, desto seltener wurden Hörgeräte getragen. Die Fachärzte nennen deshalb auch ein gezieltes Hörtraining als Weg, mit dem Hörgerät besser zurechtzukommen.
Werte vom Anfang festhalten
Worttest ohne Gerät und Tinnitus-Fragebogen vor der Anpassung.
Erste Einstellung
Der Hörakustiker stellt mindestens ein Gerät ohne Aufpreis ein und achtet auf den Tonbereich des Ohrgeräuschs.
Test im Alltag
Sie tragen das Gerät mehrere Tage und führen ein Hörtagebuch. In dieser Zeit haften Sie für das Testgerät.
Feineinstellung und neue Messung
Der Hörakustiker stellt nach Ihren Notizen nach und misst das Verstehen in Ruhe und mit Lärm erneut.
Kontrolle beim Arzt
Ihr HNO-Arzt prüft die Werte mit einer eigenen Messung, bei einem Tinnitusgerät nach mindestens vier Wochen.
Ein Kombigerät erst, wenn das Hörgerät nicht reicht
Ein Tinnitus-Kombigerät ist ein Hörgerät mit eingebautem Rauschen. Hören Sie zugleich schlechter, zahlt die Kasse es nur, wenn ein Hörgerät allein das Ohrgeräusch nicht genug dämpft. Das Hörgerät kommt also zuerst, und erst sein Ergebnis entscheidet über den nächsten Schritt.
Die Studien sprechen nicht dafür, diesen Schritt zu überspringen. Eine Auswertung von 2018 hat drei Studien mit zusammen 114 Teilnehmern zusammengefasst, die Kombigeräte mit Hörgeräten verglichen. Einen Unterschied bei der Belastung fand sie nicht. Mehr dazu steht im Ratgeber Hörgerät und Noiser bei Tinnitus. Hat das Hörgerät nach sorgfältiger Einstellung nicht genug geholfen, sprechen Sie zuerst mit Ihrem HNO-Arzt.
6 Schritte, mit denen Sie die Anpassung begleiten
Sie können viel dazu beitragen, dass die Anpassung gelingt und der Erfolg messbar wird.
- Bringen Sie Rezept, Hörkurve und die Werte Ihrer Tinnitus-Analyse zum ersten Termin mit.
- Füllen Sie vor der Anpassung einen Tinnitus-Fragebogen aus und lassen Sie das Ergebnis aufschreiben.
- Testen Sie mindestens ein Gerät ohne Aufpreis im Alltag und führen Sie ein Hörtagebuch.
- Tragen Sie das Gerät den ganzen Tag, auch in ruhigen Räumen, nicht nur im Gespräch.
- Bringen Sie Ihre Notizen zur Feineinstellung mit und lassen Sie das Verstehen erneut messen.
- Wiederholen Sie den Fragebogen am Ende und entscheiden Sie erst dann über ein Gerät mit Aufpreis.
Bleibt die Belastung trotz gut eingestelltem Gerät hoch, liegt das nicht an der Technik und ist allein kein Grund für ein teureres Gerät. Bei chronischem Tinnitus empfehlen die Fachärzte vor allem eine Verhaltenstherapie, deren Wirkung am besten belegt ist. Den Weg dorthin öffnet Ihr Arzt.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis ein Hörgerät bei Tinnitus wirkt?
Eine feste Dauer, bis ein Hörgerät bei Tinnitus wirkt, gibt es nicht. Ein Hörgerät testen Sie mehrere Tage im Alltag, ein Tinnitusgerät mindestens vier Wochen. In einer Studie mit 114 Menschen wurde die Wirkung auf den Tinnitus nach drei und sechs Monaten gemessen.
Wird ein Hörgerät bei Tinnitus anders eingestellt?
Nein, ein Hörgerät bei Tinnitus wird nach denselben Regeln eingestellt wie ohne Ohrgeräusch. Wichtig ist, dass es den Tonbereich des Tinnitus verstärkt, weil es das Geräusch sonst kaum überdeckt. In einer Studie wirkten drei verschiedene Arten der Verstärkung gleich gut.
Woran erkenne ich, ob das Hörgerät meinen Tinnitus lindert?
Ob das Hörgerät Ihren Tinnitus lindert, zeigt ein Tinnitus-Fragebogen, den Sie vor der Anpassung und am Ende des Probetragens ausfüllen. Bei einem verbreiteten Fragebogen gilt eine Besserung um etwa 11 Punkte nach zwölf Wochen als spürbar. Wie viel besser Sie hören, zeigt zusätzlich der Worttest.
Bekomme ich ein Tinnitus-Kombigerät, wenn das Hörgerät nicht reicht?
Ja, ein Tinnitus-Kombigerät zahlt die Kasse, wenn ein Hörgerät allein das Ohrgeräusch nicht genug dämpft. Das entscheidet Ihr HNO-Arzt nach der Anpassung des Hörgeräts. In Studien war ein Kombigerät einem normalen Hörgerät aber nicht überlegen.
Zahlt die Krankenkasse ein Hörgerät bei Tinnitus ohne starken Hörverlust?
Ein Hörgerät zahlt die Krankenkasse auch bei Tinnitus nur ab einem bestimmten Hörverlust. Sie hören dann bei einer Tonhöhe zwischen 500 und 4.000 Hertz erst ab 30 Dezibel und verstehen höchstens 80 Prozent der Wörter. Ohne solchen Hörverlust kann der Arzt bei chronischem Tinnitus ein reines Tinnitusgerät verschreiben.
