Mindestens drei Termine beim Hörakustiker
Eine feste Zahl an Terminen schreibt weder ein Vertrag noch eine Regel vor. Aus dem vorgeschriebenen Ablauf ergeben sich aber immer mehrere Besuche. Ein einziger Termin reicht nie, weil das Gerät erst im Alltag zeigen muss, ob die Einstellung passt.
Der Vertrag der AOK mit der Bundesinnung der Hörakustiker nennt die Schritte. Der Hörakustiker misst Ihr Gehör, wählt passende Geräte aus und vergleicht mehrere davon. Sie testen sie einige Tage im Alltag, danach stellt er fein ein, und erst dann bekommen Sie die Geräte. Dazu kommt die Kontrolle beim HNO-Arzt.
- Vergleich: Der Hörakustiker stellt mehrere Geräte auf Ihren Hörverlust ein und misst, wie gut Sie damit verstehen.
- Probetragen: Sie tragen ein Gerät mehrere Tage im Alltag, zu Hause und unterwegs, darunter mindestens eines ohne Aufpreis.
- Feineinstellung: Der Hörakustiker ändert Lautstärke, Klang und das Filtern von Lärm nach Ihren Erfahrungen.
- Übergabe: Sie bestätigen den Empfang schriftlich, und damit beginnen die sechs Jahre, in denen der Hörakustiker Sie betreut.
Wie schnell das geht, hängt von Ihrem Hörverlust und Ihren Rückmeldungen ab. Ein seit Jahren bekannter Hörverlust braucht selten mehr als eine Feineinstellung. Bei einem neu entdeckten Hörverlust oder viel Lärm im Beruf dauert es oft länger.
Was beim Vergleich der Hörgeräte passiert
Zuerst stellt der Hörakustiker mehrere Geräte nach Ihrem Hörtest ein. Er prüft die Einstellung gegen das Rezept und fertigt bei Bedarf ein Ohrstück nach einem Abdruck Ihres Ohrs. Mindestens ein Gerät ohne Aufpreis muss dabei sein, das Ihren Hörverlust genauso gut ausgleicht wie das beste Gerät.
Wie viel besser Sie mit jedem Gerät verstehen, misst der Hörakustiker mit einem Worttest. Er misst in Ruhe und mit Lärm im Hintergrund, bei dem die Sprache etwas lauter ist als der Lärm. Das ist keine Formsache. Die Messung entscheidet mit, welches Gerät Sie ohne Aufpreis bekommen, und Ihr HNO-Arzt kann sie später nachvollziehen.
Warum Sie das Hörgerät mehrere Tage im Alltag testen
Ein Test in der ruhigen Kabine zeigt nur, ob ein Gerät unter Laborbedingungen hilft. Ob es auch im Supermarkt, am Esstisch mit mehreren Menschen oder im Auto hilft, zeigt erst der Alltag. Deshalb dürfen Sie jedes Gerät mehrere Tage behalten, bevor Sie sich entscheiden.
In dieser Zeit leiht Ihnen der Hörakustiker das Gerät kostenlos, samt Batterien. Testen Sie es in ruhigen Räumen, aber auch dort, wo Sie bisher Mühe hatten, einem Gespräch zu folgen. Wenn Sie es ausdrücklich wollen, können Sie auf das Probetragen auch verzichten.
Schreiben Sie in dieser Zeit konkrete Situationen auf, statt sich nur einen Eindruck zu merken. Welches Geräusch stört, wie laut ist es, in welchem Raum? Ein seltsames Telefonat hilft dem Hörakustiker wenig. Eine blechern klingende Stimme am Telefon kann er dagegen gezielt verbessern.
Was bei der Feineinstellung des Hörgeräts passiert
Bei der Feineinstellung überträgt der Hörakustiker Ihre Erfahrungen aus dem Alltag in das Gerät. Er schraubt dabei nichts, sondern ändert die Einstellungen am Computer. Er legt fest, wie stark tiefe und hohe Töne verstärkt werden, wie stark das Gerät Lärm dämpft und wie es Stimmen von vorne bevorzugt.
| Ihre Rückmeldung | Was geändert wird | Wie er es prüft |
|---|---|---|
| Die eigene Stimme klingt dumpf oder hallt | mehr Luft im Ohrstück, weniger Verstärkung tiefer Töne | Ihr Eindruck nach erneutem Probetragen |
| Andere Stimmen klingen scharf oder spitz | weniger Verstärkung hoher Töne | Worttest in Ruhe |
| Gespräche im Restaurant sind schwer zu verstehen | stärkere Dämpfung von Lärm, Mikrofone auf Stimmen von vorne | Worttest mit Lärm im Hintergrund |
| Plötzliche Geräusche wie eine Tür sind zu laut | Grenze für laute Töne niedriger setzen | Ihr Eindruck nach einigen Tagen |
Meist reicht eine Feineinstellung für die größten Probleme. Bleibt danach noch eine störende Situation, ist ein zweiter Termin normal und kein Fehler des Hörakustikers. Nach jeder Änderung misst er erneut, damit das Verstehen nicht schlechter wird.
Warum Ihr HNO-Arzt am Ende noch einmal misst
Hat Ihnen der HNO-Arzt das Hörgerät verschrieben, muss er das Ergebnis am Ende selbst prüfen. Er sieht sich die Messungen des Hörakustikers an und misst mit einer eigenen Untersuchung nach, ob Sie mit dem Gerät besser verstehen. So schreiben es die Regeln der Kassen für Hilfsmittel vor.
Diese Kontrolle ist eine zweite, unabhängige Messung und keine bloße Unterschrift. Stimmen die Werte überein, ist das Hörgerät aus ärztlicher Sicht fertig. Weichen sie deutlich ab, geht die Anpassung zurück zum Hörakustiker, bevor Sie die Geräte endgültig bekommen.
Wann die Hörgeräteanpassung abgeschlossen ist
Fertig ist die Anpassung, wenn Sie die Geräte endgültig bekommen und den Empfang mit Datum schriftlich bestätigt haben. Erst mit dieser Unterschrift beginnen die sechs Jahre, und erst dann bekommt der Hörakustiker sein Geld von der Kasse. Eine solche Bestätigung im Voraus, während Sie noch testen, ist nicht erlaubt.
Haben Sie das Gerät einige Tage im Alltag getestet?
Sind Sie mit Klang und Verstehen in Ihren wichtigsten Situationen zufrieden?
Dann können Sie den Empfang bestätigen. Ab diesem Tag laufen Ihre sechs Jahre mit allen Leistungen der Nachsorge.
Bitten Sie um eine weitere Feineinstellung, bevor Sie unterschreiben. Das kostet Sie nichts.
Testen Sie zuerst in Ihren typischen Situationen im Alltag. Eine Unterschrift vorher lässt sich kaum rückgängig machen.
So machen Sie die Anpassung des Hörgeräts kürzer
Einen Teil der Dauer haben Sie selbst in der Hand. Je genauer Ihre Rückmeldung, desto weniger Feineinstellungen braucht der Hörakustiker.
- Tragen Sie das Testgerät möglichst den ganzen Tag, nicht nur einige Minuten.
- Notieren Sie störende Situationen mit Ort, Geräusch und Uhrzeit.
- Sagen Sie genau, ob ein Klang zu laut, zu leise, zu scharf oder zu dumpf ist.
- Sprechen Sie ein Problem gleich an und warten Sie nicht bis zum nächsten Termin.
- Planen Sie nach der Übergabe Zeit für die Gewöhnung ein, denn nicht jedes ungewohnte Gefühl heißt, dass die Einstellung falsch ist.
Der letzte Punkt ist wichtig, weil Anpassung und Gewöhnung zwei verschiedene Dinge sind. Die Anpassung endet mit Ihrer Unterschrift. Was danach noch ungewohnt klingt, weil sich Ihr Gehirn erst wieder an Geräusche gewöhnen muss, ist normal. Wie lange das dauert, erklärt der Ratgeber zur Eingewöhnung an ein Hörgerät. Den ganzen Weg vom Rezept an beschreibt der Ratgeber mit dem HNO-Rezept zum Hörgerät.
Häufige Fragen
Wie viele Termine braucht eine Hörgeräteanpassung beim Hörakustiker?
Eine Hörgeräteanpassung braucht mindestens drei Termine beim Hörakustiker: Vergleich der Geräte, Feineinstellung nach dem Probetragen und Übergabe. Dazu kommt die Kontrolle beim HNO-Arzt. Eine feste Zahl schreibt kein Vertrag vor, denn sie hängt von Ihrem Hörverlust und Ihren Rückmeldungen ab.
Was passiert bei der Feineinstellung eines Hörgeräts?
Bei der Feineinstellung ändert der Hörakustiker die Einstellungen des Hörgeräts am Computer nach Ihren Erfahrungen aus dem Alltag. Er passt an, wie stark tiefe und hohe Töne verstärkt werden und wie stark das Gerät Lärm dämpft. Danach misst er erneut.
Wer haftet, wenn ich ein Testhörgerät beim Ausprobieren verliere?
Verlieren Sie ein Testhörgerät beim Ausprobieren, haften Sie selbst dafür. Der Hörakustiker muss Sie vorher darauf hinweisen. Bewahren Sie ein Testgerät deshalb so sorgfältig auf wie ein eigenes.
Muss mein HNO-Arzt die Hörgeräteanpassung noch einmal prüfen?
Ja, Ihr HNO-Arzt muss die Hörgeräteanpassung mit einer eigenen Messung prüfen, wenn er das Gerät verschrieben hat. Erst wenn seine Werte zeigen, dass Sie besser verstehen, ist das Hörgerät aus ärztlicher Sicht fertig.
Darf ich ein Hörgerät während der Anpassung ohne Grund zurückgeben?
Ja, solange Sie den Empfang nicht schriftlich bestätigt haben, dürfen Sie das Hörgerät jederzeit ohne Grund zurückgeben. Weder Ihnen noch der Kasse entstehen dadurch Kosten, auch nicht für ein schon gefertigtes Ohrstück.
Wann beginnen die sechs Jahre Betreuung für mein Hörgerät?
Die sechs Jahre für Ihr Hörgerät beginnen an dem Tag, an dem Sie den Empfang schriftlich bestätigen. Vorher sind Sie noch in der kostenlosen Probezeit mit Rückgaberecht.
